Universitäten versuchen das Thema Gründen stärker auf den Lernplan zu heben. Was sie anbieten und wie Studenten davon profitieren können.

Mit dem Computer zu Hause arbeiten, als hinge man im Büro am Netzwerkkabel. So beschreibt Henning Hoffmann die Idee des Unternehmens, das er mit drei Freunden im vergangenen November gegründet hat. Er spricht schnell, macht aber in den richtigen Momenten Pause. Man merkt, dass er das Geschäftsmodell bereits häufig erklärt hat – und dass er daran glaubt.

Mit ihrem Unternehmen LowoTec gehören die jungen Männer zu der stetig wachsenden Zahl von Neugründern in Deutschland. Allein 2013 waren es laut des KfW-Gründungsmonitors 868.000. Rund 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Seit man in Garagen Weltkonzerne gründen kann und auch deutsche Gründer wie die Samwer-Brüder in Deutschland erfolgreich sind, wächst die Gründerlust. Um Studenten möglichst früh zu erreichen, haben die Unis in den vergangenen Jahren massiv in Beratungs- und Förderprogramme investiert.

Ein Beispiel dafür ist die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, wo sich auch die vier Gründer von LowoTec kennengelernt haben. 2011 wurde diese zu einer der besten Gründerhochschulen Deutschlands ernannt. Miriam Wiediger ist dort Leiterin des Gründungs- und Innovationszentrums, das es seit 2012 gibt: „Wir wollen die Studierenden möglichst früh erreichen und für das Thema begeistern“, sagt sie. Dafür organisiert Wiediger Workshops, regelmäßige Stammtische, Kontaktbörsen und Treffen zwischen Studenten und Unternehmern.

Bundesregierung fördert mit rund 80.000 Euro pro Projekt

Dass die Hochschule damit Erfolg hat, zeigen die Zahlen: Allein 50 Beratungen von Studenten mit konkreten Ideen hat das Zentrum im vergangenen Jahr gemacht. Aus 23 sind Gründungen hervorgegangen.

Ein wichtiger Aspekt der universitären Förderung sind die Stipendienprogramme der Bundesregierung. Auch Hoffmann und sein Team haben davon profitiert. Sie werden mit dem EXIST-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert. Dieses richtet sich an Studenten, Absolventen und wissenschaftliche Mitarbeiter – bis zu fünf Jahre nach dem Studium.

Die Stipendiaten erhalten ein Jahr neben Gründungsberatung bis zu 3000 Euro monatlich als Unterhalt und maximal 30.000 Euro für Sachausgaben. Seit das Programm vor acht Jahren ins Leben gerufen wurde, sind allein bis 2013 insgesamt 1.055 Gründerstipendien für rund 84 Millionen Euro bewilligt worden. Das sind circa 80.000 Euro pro Projekt.

Manche Ideen müssen reifen

Die grundsätzliche Idee zu ihrem Unternehmen hatten Hoffmann und seine Kollegen schon während ihres Studiums. Das System von LowoTec soll Mitarbeiter über einen Hardware-VPN zu Hause den Zugang zum Bürosystem ermöglich. Dies funktioniert über zwei kleine Boxen, die man zu Hause und auf der Arbeit an den Rechner schließt. Die Boxen bauen automatisch eine Verbindung über das Internet auf.

Die Ausrichtung, die das Unternehmen heute hat, ist aber erst über die Zeit entstanden. Bei dem Team zeigt sich: Geschäftsideen können bereits während des Studiums entstehen. Die Programme und Förderungen richten sich aber nicht ohne Grund auch an Absolventen und junge Forscher. Denn manche Ideen müssen reifen. „Mittlerweile haben wir unseren Fokus auf die Bedürfnisse kleiner und mittelständiger Unternehmen gelegt“, sagt Hoffmann über LowoTec. Anfangs hätten sie auch an große Unternehmen gedacht. Aber diese haben eigene IT-Abteilungen. Mittelständler sind auf einfachere Systeme angewiesen. „Mit unserer Lösung können die Mitarbeiter Zugänge eigenständig und schnell nutzen – ohne Konfigurationen und Software.“ Im Dezember 2014 wurden die Oldenburger für ihre Idee mit dem überregionalen Gründerpreis der Universität Oldenburg ausgezeichnet.

Die Bewerbung für das Gründerstipendium hat das Gründerteam über die Hochschule eingereicht. Diese verwaltet auch die Fördermittel und stellen den Stipendiaten ein Netzwerk, Mentoren und einen Arbeitsplatz zur Verfügung. Damit das möglich ist und die Hochschulen investieren können, stellt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie allein im Zeitraum von 2011 bis 2018 rund 46 Millionen Euro für die Umsetzung von Gründerprojekten an Hochschulen bereit.

Aktuell unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) mit ihrem Hauptprogramm 22 Hochschulen dabei, eine ganzheitliche Strategie zur Gründungskultur am eigenen Campus zu entwickeln. Die drei überzeugendsten Konzepte sind 2013 zusätzlich mit dem Prädikat “EXIST-Gründerhochschule” ausgezeichnet worden. Darunter die Universität Kassel, die Universität des Saarlandes und die Universität Lübeck. Bereits 2011 wurden mit diesem Präsidikat drei Hochschulen bedacht, wie etwa die Hochschule in München, die Technische Universität Berlin und die Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg.

Studenten sollen verstehen, wie Unternehmen funktionieren

Gründer Cube auf dem Campus Lübeck [Foto: René Kube]

Ulrike Mildner ist Gründungsberaterin an der ausgezeichneten Lübecker Hochschule. Sie sitzt auf dem Campus der Fachhochschule Lübeck im so genannten GründerCube. Das Haus sieht aus wie ein kleiner, roter Würfel und ist auf dem Gelände nicht zu übersehen. Das war auch die Idee der Fachhochschule Lübeck und der Universität Lübeck, die immerhin 250.000 Euro für den GründerCube ausgegeben haben. „Jeder Student an den Hochschulen soll mindestens einmal mit dem Thema Gründen in Berührung gekommen sein“, sagt Mildner über ihre Arbeit in dem Gründerzentrum. Die Studenten sollen während ihres Studiums eine Vorstellung davon entwickeln, wie Unternehmen funktionieren und wie man eine Idee in ein Produkt und eine Dienstleistung umsetzen kann. Dafür können sie bei ihr immer vorbeikommen. „Wir begleiten von der Idee bis hin zum Businessplan und der Finanzierung.“

Auch Hoffmann und sein Team arbeiten eng mit ihrer Universität in Oldenburg zusammen und haben davon enorm profitiert. Mittlerweile sind die Tüftler in der dritten Generation ihrer Prototypen. Erste Anwender nutzen die Geräte bereits. In diesem Jahr wollen sie 1000 Geräte absetzen, in drei Jahren sollen es schon zehn Mal so viele sein. Dafür starten sie demnächst auch mit einer Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo. Später hoffen sie auf strategische Investoren. „Nur mit immer wieder Fragen, sind wir soweit gekommen“, sagt Hoffmann heute über ihre Entstehungsphase. Wichtigster Ansprechpartner dabei: vor allem die Uni.