Jeden Tag bekommt Teichmann drei bis vier Mails, in denen ihm neue Produkte angeboten werden. 50 Prozent kommen aus europäischen Upcycling-Manufakturen, aber auch soziale Kooperativen und Familienbetriebe aus Südamerika, Afrika und Asien sind im Online-Shop zu finden. „Wir nehmen aber längst nicht alles in unser Angebot auf. Die Materialien müssen stimmen, die Herstellung muss fair sein und natürlich muss das Produkt auch wirklich neu und ausgefallen sein.“

Stanislaus Teichmann und Eric Pieper haben mit ihrer Idee einen Nerv getroffen. Das Unternehmen wächst stetig: „Im letzten Jahr konnten wir unseren Umsatz verdoppeln, wir haben sieben feste und Dutzende von freien Mitarbeitern, die uns beim Verkauf auf Events und Märkten unterstützen.“

Woher rührt die große Begeisterung für Upcycling?„Deutschland ist eine postmaterialistische Gesellschaft. Purer Konsum als Statussymbol hat hierzulande für sehr viele Menschen nichts mehr an sich“, sagt der Wirtschaftspsychologe Florian Becker. „Die Zeiten, in denen bei uns klassische Statussymbole eine hohe Wichtigkeit hatten, sind weitgehend vorüber. Zu viele haben ein schnelles Auto, ein modernes Smartphone, einen großen Fernseher – damit kann man sich nicht mehr hervortun. Wer allerdings sagt, das habe ich gar nicht mehr nötig, ich stehe über der Konsumgesellschaft, kaufe lieber etwas Altes und tue damit auch noch Gutes, der kann sich psychologisch positiv von anderen abgrenzen und moralisch überlegen fühlen.“

Das glauben auch Marcus Schäfer und Adnan Bikliqi. Die beiden Gründer haben Trolleys im Design des bekannten amerikanischen Künstlers James Rizzi auf den Markt gebracht und basteln zurzeit an ihrem nächsten Stück: In Zusammenarbeit mit Studenten der FH Bielefeld entwickelten sie einen mobilen Zapftrolley mit einem integrierten Literfass Bier, die Brauerei Veltins steht beratend zur Seite. In rund drei Monaten soll das neue Produkt erhältlich sein.

Auch Stanislaus Teichmann und Eric Pieper wollen ihr Unternehmen vergrößern, gerne auf den amerikanischen Markt vorstoßen. Gespräche mit Business Angels gibt es bereits. Dass zurzeit immer mehr Upcycling-Unternehmen entstehen, sieht Teichmann nicht als Problem – im Gegenteil: „Das ist keine Konkurrenz, denn jeder neue Laden, jedes neue Produkt, jedes neue Unternehmen lenkt die Aufmerksamkeit auf das Thema und somit auch auf uns.“