Im Elevator Pitch der WirtschaftsWoche treten heute die Macher der App Moodpath, Felix Frauendorf und Mark Goering, an. Sie wollen beim Umgang mit psychischen Problemen helfen. Wie urteilt Investor Christian Miele?

Eine halbe Minute mit Investor Christian Miele im Fahrstuhl: Wie lautet euer Elevator Pitch?
In sechs von zehn Fällen einer psychischen Erkrankung handelt es sich um eine Depression. Unsere App Moodpath hilft Menschen, ihre Krankheit zu erkennen und zu überwachen. Nutzer beantworten hierfür regelmäßig Fragen, etwa: Hast du gut geschlafen? Ist dein Selbstwert geringer als sonst? Nach zwei Wochen können wir feststellen, ob ein Mensch an einer Depression leidet und wie ausgeprägt sie ist. Wir sehen sogar, wie sie sich äußert, etwa darin, dass Menschen Angst vor Kontakt mit anderen Menschen haben.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Mark ist Psychotherapeut. Seine Patienten agieren viel mit dem Smartphone. Das Gerät kann also perfekt Gedanken, Emotionen und Verhalten protokollieren. Wir helfen Patienten, Symptome zu durchdenken. Sie erfahren, wie viele gute und schlechte Tage sie haben.

Und wie verdient ihr damit Geld?
Die App gibt’s für Patienten im Abo – für 7,99 US-Dollar im Monat. Wir sprechen mit Krankenkassen, die die Kosten künftig übernehmen sollen. Und wir arbeiten an einer Version für Therapeuten, die die Aufzeichnungen und Auswertungen einsehen – und dafür zahlen.

Eure Kultur ist:
a) perfektionistisch wie bei Apple
b) nerdig wie bei Google
c) gnadenlos wie bei Uber
d)…etwas nerdig. Wir wollen vor allem den Patienten helfen.

Wie sieht es mit Vielfalt in eurem Unternehmen aus?
Unser Team besteht aus Psychologen, Datenwissenschaftlern, Designern und Marketern. Die Hälfte der Mitarbeiter sind Frauen. Sie stammen aus den USA, Israel, Polen und Moldawien – wir sind ziemlich international besetzt.

Was war euer größter Rückschlag?
Bisher lief alles erstaunlich glatt. Wir hoffen, das geht so weiter.

Wo steht ihr in fünf Jahren?
Moodpath ist aus dem Gesundheitssystem nicht mehr wegzudenken. Klinische Studien beweisen, dass die App Menschen hilft, ihre Depression zu bekämpfen und Kosten zu senken. Und natürlich gibt es sie in weiteren Sprachen wie Spanisch oder Mandarin.

Fakten zum Start-up:

Kunden: 1,2 Millionen weltweit, 60 Prozent davon in Nordamerika, ein kleiner Teil davon sind Abo-Kunden
Finanzierung: Privatinvestoren, Wagniskapital
Gründung: 2016 in Berlin
Mitarbeiter: 20

Würde der Profi investieren?

Idee: 5/5
Geschäftsmodell: 5/5
Timing: 4/5
Urteil: „Ich bin ein großer Fan der Idee, glaube fest an ihren Erfolg – und sehe, dass mentale Gesundheit eine wachsende Rolle im Gesundheitssystem spielen wird. Daher wird das Thema auch von vielen Firmen unterstützt.“
Christian Miele, Partner beim Risikokapitalgeber Eventures in Berlin – und Mitglied der Unternehmerfamilie Miele

Ihr seid ein erfolgreiches Start-up? Bewerbt euch über innovation@wiwo.de.