Wie haben Sie daraus gelernt?
Früher habe ich mich zu sehr von der Begeisterung für eine neue Idee mitreißen lassen. Heute arbeite ich mich stärker in die fachlichen Dinge ein. Und ich wähle die Teams sorgfältiger aus.

Wie stark schauen Sie auf Zahlen?
Ich glaube nicht an Businesspläne. Denn ich habe noch nie erlebt, dass einer eingehalten wurde. Wichtiger ist mir, dass sich die Gründer voll auf das Unternehmen konzentrieren. Wenn ich merke, dass die das nur für eine Erfahrung im Lebenslauf machen, investiere ich nicht.

Sie haben Ihr Software-Unternehmen IDS Scheer vor sechs Jahren verkauft und wurden damit zu einem der 500 reichsten Deutschen. Nutzen Sie Ihre Investitionen in Start-ups auch, um Ihr Geld anzulegen und Rendite zu erwirtschaften?
Nein, ein Exit, also der Verkauf meiner Unternehmensbeteiligungen, ist nicht mein Fall. Ich brauche nicht mehr Geld, um noch ein Ei mehr zum Frühstück essen zu können. Mich interessiert, ob Ideen funktionieren – um damit die Welt zu gestalten. Aus diesem Ehrgeiz habe ich vor 33 Jahren Aris erfunden…

… eine Software, die Prozesse analysiert und zum Standard für Unternehmen geworden ist. Zu der Zeit waren Sie Professor für Wirtschaftsinformatik an der Universität des Saarlandes. Wie wurden Sie zum Unternehmer?
Eigentlich wollte ich meine Idee gar nicht selbst vermarkten, sondern an die Technologiekonzerne Siemens und IBM verkaufen. Aber denen war das zu riskant. Dann habe ich gesagt: OK, dann mache ich es halt selbst. Genau das ist auch die Chance für heutige Start-ups.

Warum?
Es ist das klassische Innovator’s Dilemma: In bestehenden Unternehmen arbeiten zwar auch Leute, die neue Ideen haben. Aber wenn sie diese umsetzen wollen, wird zuerst gefragt: Wie viel Umsatz bringt das? Wann machen wir Gewinn? Im Vergleich zum bestehenden Geschäft wirkt die Idee plötzlich sehr klein und wird abgelehnt. Start-ups dagegen haben nichts außer der Idee – und setzen alles daran, aus ihr ein Geschäftsmodell zu machen.

Wie unterstützen Sie Start-ups noch, außer mit Ihrem Geld?
Im kommenden Jahr baue ich hier auf dem Campus der Uni Saarbrücken ein zweites Gebäude, direkt neben den ersten Scheer Tower.

Für die Mitarbeiter der Scheer Group?
Ja, aber ich werde hier auch Gründern eine Fläche bieten, an deren Unternehmen ich mich nicht beteilige. Ich mache mir Gedanken darüber, was ich mal hinterlassen kann.