Der Münchener Rechtsschutzversicherer Auxilia investiert eine siebenstellige Summe in das Start-up. Mit dem Geld soll der Dienst ausgebaut werden.

Von der fristlosen Kündigung durch den Arbeitgeber, über die Falschberatung durch die Bank, bis hin zur Abmahnung wegen Filesharing – auf der Internetseite des Legaltechs Atornix finden Nutzer Informationen zu einer Vielzahl rechtlicher Probleme.

Atornix (ehemals casecheck GmbH) ist eines von zahlreichen Start-ups, die in diesem Bereich in den vergangenen Jahren in Deutschland entstanden sind. Manche von ihnen, wie Geblitzt.de oder Flightright konzentrieren sich auf ein Thema (etwa Verkehrsrecht oder das Recht von Fluggästen), andere, wie Advocado, bringen über ihre Homepage Rechtssuchende mit den passenden Experten zusammen. Während viele Rechtsanwälte diese Entwicklung als Bedrohung wahrnehmen, unterstützen die Investoren die voranschreitende Digitalisierung mit frischem Kapital. 

Erweiterung der Plattform geplant

So konnte Atornix gerade den Rechtsschutzversicherer Auxilia als strategischen Investor für sich gewinnen. Im Rahmen einer Series-A-Finanzierungsrunde sammelte das Bremer Unternehmen eine siebenstellige Summe ein. Wie hoch das Investment genau ist, wollten die Gründer Philipp Harsleben oder Marco Klock auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer nicht verraten. Nur so viel: „Es handelt sich um eine mittlere siebenstellige Summe.“

Das Geld soll in den Ausbau der Plattform fließen. „In den kommenden 12 Monate soll sie um alle große Verbraucherrechtsgebiete erweitert werden“, so Marco Klock. Aktuell liegt der Fokus des Start-ups auf den Bereichen Sozial-, Verkehrs-, Arbeits- und Mietrecht.

Kostenlose Ersteinschätzung durch Anwalt-Netzwerk

Nutzer erhalten auf Atornix eine kostenlose erste Einschätzung durch ein deutschlandweit aktives Netzwerk von Anwälten. Diese nutzen für die weiteren Schritte die vom Start-up konzipierte Kanzleisoftware, die eine effizientere und dadurch kostengünstigere Bearbeitung der Fälle möglich machen soll. Durch die Digitalisierung können beispielsweise alle Daten einer Akte strukturiert abgefragt oder hinzugefügt werden. “Darüber hinaus  ermöglicht die Software den Austausch zwischen Mandant und Rechtsanwalt über einen Chat, der unter anderem das Hin-und Herschicken von Dokumenten und Informationen sowie das Unterzeichnen der Vollmacht ermöglicht“, erklärt Marco Klock.

Zu Beginn des Jahres 2017 konnte Atornix eine Finanzierungsrunde in Höhe von 400.000 Euro über eine Crowdfunding-Plattform abschließen. Geld verdient das Start-up über Kooperationen, Lizenzgebühren für die Kanzleisoftware, Werbeeinnahmen und Prozessfinanzierung. Eigenen Angaben zufolge nutzten seit der Gründung im Jahr 2015 50.000 Kunden das Angebot. Aktuell beschäftigt die Firma 23 Mitarbeitende am Hauptsitz in Bremen.