Die Software des Wiener Start-ups erkennt Daten in Videostreams und hilft so Firmen. Das kommt quer durch die Industrien gut an. Aus Deutschland kommen Kunden – und jetzt ein Investor.

Ob Stromzähler, Ausweis, Nummernschild oder Seriennummer: Die Software des Start-ups Anyline soll bei der Bilderkennung helfen – und so Firmen unterstützen, viele mühsame Arbeitsschritte zu automatisieren. Jetzt hat das in Wien ansässige Start-up eine Finanzierungsrunde über zwei Millionen Euro abgeschlosse, wie WirtschaftsWoche Gründer vorab erfuhr. Das Geld stammt von einer Reihe bestehender Investoren und einem neuen Geldgeber – und soll eigentlich nur als Zwischenschritt dienen: „Aufgrund des enormen Potentials arbeiten wir auf eine noch größere Wachstumsfinanzierung hin“, sagt Anyline-Vorstandschef Lukas Kinigadner.

Denn das Start-up setzt mit seiner Bilderkennungs-Software auf eine breite Nutzerbasis. Nach eigenen Angaben sei das Programm bereits bei mehr als 150 Unternehmen im Einsatz, darunter bei Konzernen wie Canon, Porsche, Swisscom oder Thomas Cook Airlines. Auch Behörden sieht Anyline als eine zentrale Kundengruppe.

Die sogenannte Optical Character Recognition–Technologie wird dabei je nach Kundenbedürfnis angepasst. „Hier ergeben sich Zeitspannen von einem Tag bis hin zu wenigen Wochen für die komplexen Fälle“, sagt Marketingchef und Mitgründer Jakob Hofer zu WirtschaftsWoche Gründer. In Deutschland ist etwa Pixolus mit einem ähnlichen Produkt unterwegs – fokussiert sich aber gezielt auf die Energiebranche.

Siebenstelliger Umsatz dank der Scan-Software

Das Nachbarland ist dabei für die Österreicher von Anyline ein wichtiger Markt: „Deutschland ist sehr spannend“, sagt Hofer. „Gerade im Öffentlichen Sektor sowie im Smart Factory Bereich gibt es viele Projekte, in denen Anyline schon im Einsatz ist oder in der Konzeption mitarbeitet.“ Doch auch darüber hinaus ist Hofer optimistisch: Insbesondere im Energie- und Versorgungsbereich seien größere Investitionen in Schwellenländern „für uns deutlich spürbar“, so der Mitgründer.

Neu als Gesellschafter bei Anyline ist jetzt der Münchener Risikokapitalgeber Senovo, die schwerpunktmäßig in Geschäftskunden-Software-Start-ups investieren. „Wir sahen die Chance in ein beeindruckendes Team, eine cutting-edge Technologie und einen Wachstumsmarkt zu investieren“, sagt Senovo-Partner Frederick von Mallinckrodt.

Zudem stocken die bisherigen privaten Geldgeber, darunter Hansi Hansmann, Hermann Hauser, Bernhard Niesner, Lukas Püspök und Gernot Langes Swarovski-Stiftung in der aktuellen Finanzierungsrunde ihren Einlage auf. Das Team von aktuell 35 Mitarbeitern könnte bis Ende des Jahres auf 60 anwachsen – „wenn wir die richtigen Talente finden“, so Mitgründer Hofer.