Die Gründer wollen mit ihrer Remote-Desktop-Software nun den amerikanischen Markt erobern – und bauen dort einen Standort auf.  

Es ist selten, dass Software-Unternehmen aus Deutschland international Beachtung finden. Doch wer nach einer Remote-Desktop-Software, die den Fernzugriff auf andere Computer ermöglicht, sucht, kommt an deutschen Tech-Firmen kaum vorbei: Zu den bekanntesten Anbietern gehört das Göppinger Unternehmen Teamviewer, das im September an die Börse gegangen war. Ein stark wachsender Konkurrent ist Anydesk – gegründet von ehemaligen Teamviewer-Mitarbeitern im 40 Kilometer entfernten Stuttgart.

Seit dem Start vor fünf Jahren hat sich das Start-up eine beachtliche Nutzerbasis aufbauen können. Das Unternehmen gibt an, dass die Software inzwischen 145 Millionen mal heruntergeladen worden ist. Jeden Monat kommen demnach fünf Millionen Nutzer hinzu. Dabei kommt auch das wichtige B2B-Geschäft voran: Meldete das Start-up im Mai 2018 noch 7.000 Unternehmenskunden, sind es inzwischen 25.000 Unternehmen aus 173 Ländern.

Das Momentum wollen die Gründer Olaf Liebe, Philipp Weiser und Andreas Mähler nun nutzen, um das Wachstum auf dem US-Markt voranzutreiben. Dazu baut Gründertrio derzeit eine Landeszentrale in Charlotte im Bundesstaat North Carolina auf. Unterstützung kommt dabei vom renommierten US-Wagniskapitalgeber Insight Partners, der laut einer Mitteilung der beiden Unternehmen gerade bei den Stuttgartern eingestiegen ist. Die Gesamtfinanzierung des 2014 gegründeten Start-ups steige damit auf knapp 18 Millionen Euro.

Fokus auf schnelle Bild-Übetragungen

Vor gut anderthalb Jahren hatte Anydesk erstmals Geld einer VC-Firma bekommen: Damals hatte EQT Ventures mit Hauptsitz in Stockholm eine insgesamt 6,5 Millionen Euro schwere Finanzierungsrunde angeführt. Die aktuelle Runde dürfte damit ein Volumen von etwa elf Millionen Euro haben. Insight Partners investiert vorwiegend in Software-Unternehmen und zählt zu den finanzstärksten Investoren, die in Europa aktiv sind. In Deutschland hatten die New Yorker unter anderem in die Smartphone-Bank N26, die Reisesuche Trivago und den Kochboxen-Versender Hellofresh investiert.

An Anydesk lobt Insight Partners, dass die Software „schnelle Reaktionszeiten sowie Sicherheit und Stabilität“ biete. Das Start-up selbst wirbt damit, dass sein eigens entwickelter Video-Codec auch bei langsamen Internetverbindungen ein flüssiges Arbeiten ermöglicht. Ein weiteres wichtiges Argument für Firmenkunden: Die Software kann auch abgekoppelt vom Internet in Unternehmensnetzen genutzt werden.