Mit den geflüchteten Menschen zu kochen bedeute neue Geschmäcker kennenzulernen, Leidenschaft und Passion, so Jürgens. Für ihn und seinen Gründungspartner Halfmann habe es zwei Triebfedern gegeben: „Wir sind extrem viel gereist und haben das auch immer mit dem Kochen verbunden. Gemeinsam Essen und Geschmäcker kennenlernen – das ist nonverbale Kommunikation und gelebte Gemeinschaft.“ Die zweite Motivation habe die Flüchtlingskrise 2015 gegeben: Sie war der endgültige Startschuss für das Projekt.

Für das Projekt „Besser essen verbindet“ fiel der Startschuss im Herbst 2015 mit dem Gewinn eines Stipendiums von Social Impact und der KfW-Stiftung. Die Volkswirtin und Labour Relations Expertin Annette Jagst und die Diätassistentin Sabine Schlüter gründeten ihr Unternehmen im Rahmen des Programms „Ankommer. Perspektive Deutschland“. Sie möchten besonders geflüchteten Frauen eine Chance auf einen Einstieg in den Arbeitsmarkt geben. Ihr Projekt ermöglicht es Kindertagesstätten und Grundschulen durch ein Social Franchise Modell Mittagessen anzubieten. Das Essen wird vor Ort frisch gekocht und besteht aus Bio-Lebensmitteln.

Eine Chance auf Festanstellung

Geflüchtete Frauen helfen bei der Zubereitung und Ausgabe der Mahlzeiten und werden fachlich weitergebildet. Schlüter: „Es geht um das Wohl der Kinder und um gutes Essen – zwei Themen die kulturüberschreitend sind.“ Die geflüchteten Frauen erwerben neue Qualifikationen beispielsweise im Gebrauch von Geräten und Maschinen oder durch Belehrungen im Hygiene- und Infektionsschutz. Sie lernen Fachvokabeln und erleben, wie das Arbeiten in der Küche in einem interkulturellen Team funktioniert.

Am Ende erhalten die Frauen ein erstes Arbeitszeugnis und die Chance auf eine Festanstellung in den neu entstehenden Küchen in den Kitas und Schulen. Die Integration der Frauen in den Arbeitsmarkt ist auch deshalb eine zentrale Aufgabe, da sie Multiplikatoren innerhalb ihrer Familie sind, was Sprache, Ernährungsbildung und Berufstätigkeit von Frauen betrifft. Der Zuzug von Geflüchteten wird nach Schätzungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) in diesem Jahr für 380.000 zusätzliche potenzielle Arbeitskräfte sorgen.