Das Start-up AngelCab hat gestern in den Löwen kein Investment bekommen. Wie es für die Brüder weitergeht.

Mit Kinderwagen wollten die zwei Brüder, Vinzent und Luis Karger gestern die Investoren bei der Höhle der Löwen überzeugen. Mit ihrem Start-up AngelCab stellen sie die Kinderkutschen nur aus natürlichen und schadstofffreien Materialien her. Und produzieren in Deutschland. Die beiden Gründer wollten für zehn Prozent der Anteile an ihrem Unternehmen 75.000 Euro von den Löwen. Das Besondere an ihrem Kinderwagen: Jeder kann sich das Produkt aus sieben Millionen Komponenten selbst zu bauen. Die Löwen fanden die Idee gut, wussten aber nicht, wie sie helfen sollen – und auch die Margen zu gering. Deshalb gab es kein Investment.

Im Interview erklärt Vinzent Karger, warum sie mit ihren Produkten in der Nische bleiben wollen – und wie es für das Start-up weitergeht.

WirtschaftsWoche Gründer: Wie haben Sie die Situation bei den Löwen erlebt?
Vinzent Karger: Obwohl  wir    kein    Investment    bekommen    haben,    war    das    Feedback    positiv.    Der  Monolog    des  Pitch    durfte    sich    auf    maximal    drei    Minuten    belaufen,    der    Dialog    danach    dauerte   dann    fast    zwei    Stunden.    Das    wurde    natürlich    alles    zusammengeschnitten,    wodurch  auch    nicht  alle  Level  des    Konfigurators    gezeigt    wurden.    Rückblickend    war  alles    einfacher  als    zunächst    gedacht,    auch    die    Aufregung    hielt    sich    in    Grenzen.

Woran lag es, dass Sie kein Investment bekommen haben?
Wir haben sehr hohe Herstellungskosten haben und das Investment lohnt sich langfristig einfach nicht. Das ist
generell auch das Problem mit Social Entrepreneurship. Wir könnten unsere Wagen auch ohne viel Probleme,
allerdings mit weniger Individualisierungsmöglichkeiten, zu viel geringen Kosten herstellen. Das wäre aber nicht das
gleiche Feeling.

Judith Williams hat das Produkt als „Rolls Royce“ unter den Kinderwagen bezeichnet. Freut
Sie dieses Lob?

Natürlich sind wir darüber sehr erfreut, schließlich muss bei einem so hochpreisigen Produkt die Qualität stimmen.
Bei den Preisen, die wir für manche Stoffe bezahlen und die auch bei Luxus-­Modemarken eingesetzt werden, wäre
ein anderes Urteil aber auch sehr deprimierend.

Sie sind mit 24 und 21 Jahren noch recht jung. Warum haben Sie gegründet?
Vor AngelCab hatten wir bereits zweimal gegründet, beides hat nicht geklappt. Mit AngelCab haben wir es noch einmal probiert und mehr Vorarbeit geleistet. Im Studium lernt man außerdem oft nur die Grundlagen, diese helfen
aber oft nicht weiter. Wer also rasant viel lernen möchte, sollte unbedingt selbst gründen – auch wenn es dann nicht
funktioniert.

Weder ihr Bruder noch sie haben Kinder. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?
Wir haben durch Zufall einen Testbericht entdeckt und festgestellt, dass selbst Premiumwagen von eher minderwertiger Qualität sind – auch in Bezug auf Schadstoffe. Das liegt am traditionellen Geschäftsmodell: Kinderwagen werden zuerst einmal im stationären Einzelhandel begutachtet und getestet, erst dann erfolgt der
Kauf. Durch die Einzelhändlermargen ist so ein Wagen dann aber oft nicht mehr wert als 150 oder 200 Euro. Ein AngelCab aber kostet ab 690 Euro und ist individualisierbar. Und damit liegen in ähnlichen Höhen wie andere Premium-Hersteller.

Wie finanzieren Sie sich bisher?
Wir haben bisher alles eigenfinanziert. Unser Korbflechter schafft maximal drei Körbe am Tag, auch unsere Näherinnen arbeiten schon am absoluten Limit. Natürlich sind hier und da noch produktionstechnische Optimierungen möglich, allerdings sind wir eine Manufaktur und wollen das auch bleiben. Mit großen Herstellern,
die ihre Kinderwagen in sehr großen Stückzahlen in Asien fertigen, können und wollen wir natürlichen nicht mithalten. Mit AngelCab sind wir in einer Nische, in der es sich gut leben lässt.

Wie geht es mit Ihrem Start-­up jetzt weiter?
Seit Aufzeichnung der Sendung ist bei uns viel passiert: Wir haben uns produktionstechnisch sehr verbessert und
können jetzt auch höhere Stückzahlen als fünf Stück pro Tag produzieren. Wir werden ab Januar 2016 ein zusätzliches Gestall anbieten, die über zwei Schwenkräder verfügt.