Die Testzeit, in der eine Handvoll Flüchtlinge in Gießen ausgebildet wurde, ist gerade zu Ende gegangen. Karan Dehghani und sein Partner Nicolas Ritouet, ein französischer Softwareentwickler aus Berlin, befinden sich jetzt in der Skalierphase und haben dafür niemand geringeren als Sebastian Thrun mit ins Boot holen können. Der ehemalige Stanford-Professor und Vizechef von Google wird CodeDoor eine unbegrenzte Anzahl von Stipendien für seine 2011 gegründete Online-Universität “Udacity” zur Verfügung zu stellen, deren Besuch normalerweise 200 Dollar im Monat kostet. Allein bis März sollen dreihundert Bewerber starten können. „Diese Stipendien stellen wir sowohl Flüchtlingen als auch anderen interessierten Bürgern zur Verfügung, die sich für das Programm eignen“, sagt Dehghani.

Fachwissen und Integration

Abhängig von der Lern-Geschwindigkeit dauern die Kurse sechs bis zwölf Monate, einfache Englischkenntnisse reichen für die Teilnahme aus Am Ende erhalten die erfolgreichen Absolventen ein sogenanntes Nanodegree, das auch bei großen Unternehmen wie Google und Facebook ein hohes Ansehen genießt.

Damit die Flüchtlinge nicht alleine lernen müssen, werden sie in Räumen des Social Impact Labs arbeiten, einer Art Gründerzentrum für soziale Start-ups – unter anderem in Berlin und Frankfurt. So können sie schon während der Ausbildung Kontakt zu zukünftigen Chefs und Kollegen aufbauen: „Das ist uns besonders wichtig, denn nicht nur das Fachwissen spielt eine Rolle“, sagt Dehghani, „sondern auch die Integration, das tägliche Miteinander, die Begegnung.“

Wenn alles gut läuft, ergeben sich so konkrete Stellen für die Absolventen. „Wir haben bereits die Zusage einiger potentieller Arbeitgeber, die sich vorstellen können talentierte Flüchtlinge zu übernehmen.“

Branchenverband begrüßt die Projekte

Und auch Bitkom-Präsident Thorsten Dirks begrüßt dieses Engagement: „Viele der Flüchtlinge sind jung, gut ausgebildet und motiviert. Sie wollen aktiv werden und arbeiten, sie wollen ihre neue Chance nutzen – und wir sollten diese Chance auch nutzen. Die Aus- und Weiterbildung gerade für IT- und sonstige technische Berufe ist eine wichtige Aufgabe, die wir jetzt angehen sollten. Darum unterstützen wir einen schrittweisen Einstieg in den Arbeitsmarkt über Praktika oder Traineeships.“