Entwickelt als Lernhilfe für Studenten, wird die Software des Start-ups inzwischen auch von praktizierenden Ärzten als digitales Nachschlagewerk genutzt.

Es ist ein „Hammerexamen“, dem sich Medizin-Studenten gegenübersehen: Tausende Fachbegriffe und Zusammenhänge müssen sich angehende Ärzte ins Gedächtnis hämmern. Amboss nannten Madjid Salimi, Sievert Weiss und Kenan Hasan deswegen die Software, die sie während ihrer eigenen Examensvorbereitung ersonnen haben. Die Idee: eine Wissensplattform für Mediziner, mit dem sich Studenten dank interaktiver Fragebögen auf die gefürchteten Multiple-Choice-Klausuren vorbereiten können.

Anfang 2013 ging die Software online und eroberte schnell den Nischenmarkt, den Verlage mit Lernhilfen auf Papier lange dominiert haben. Heute ist die dazugehörige App längst nicht mehr nur auf den Smartphones von Medizinstudenten zu finden. Auch viele Ärzte nutzen Amboss im Alltag – als digitales Nachschlagewerk, um beispielsweise die richtige Therapie für Krankheiten zu ermitteln. Eine halbe Million Nutzer aus 180 Ländern hat Amboss inzwischen, wirbt das gleichnamige Berliner Start-up.

USA im Fokus

Der Erfolg zieht auch internationale Investoren an: 30 Millionen Euro haben Wagniskapitalfirmen gerade in das junge Unternehmen gesteckt, wie Amboss nun mitteilte. Federführend bei der Finanzierungsrunde waren demnach Partech Ventures – ein Risikokapitalgeber mit Standorten in San Francisco, Berlin, Paris und Dakar – sowie Target Global mit Hauptsitz in Berlin. Beteiligt waren zudem die Bestandsinvestoren Cherry Ventures, Wellington Partners und Holtzbrinck Digital.

Zuletzt hatte das Start-up vor zwei Jahren Geld von Investoren bekommen – die Finanzierung über fünf Millionen Euro diente unter anderem dazu, ein Büro in New York aufzubauen. Auch jetzt steht der US-Markt noch stark im Fokus, sagte CEO Benedikt Hochkirchen im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer: „Unser englischsprachiges Produkt ist im Moment noch auf Studenten beschränkt, wir zielen nun verstärkt auf praktizierende Ärzte ab.“

Helios Kliniken unter den Kunden

In Deutschland sind laut Hochkirchen bereits 30 Prozent der Nutzer Ärzte. Dabei profitiert das Start-up davon, dass bereits mehr als jeder zweite Medizin-Student die App auch nach dem Examen weiternutzt. „Wir helfen Ärzten, auch nach dem Start in den Beruf up to date zu bleiben“, sagt Hochkirchen. Amboss hat zudem zwei wichtige Großkunden für sich gewonnen: Der Klinikbetreiber Helios stellt die Wissensplattform seit Anfang 2018 seinen Ärzten zur Verfügung. Das gleiche macht auch der Krankenhausverbund Clinotel in 57 Kliniken.

Amboss selbst beschäftigt in seinem inzwischen über 200 Mitarbeiter großen Team 70 Ärzte, die für neue Inhalte sorgen. Der Prozess ist aufwendig, da alle Kapitel mehrfach geprüft werden. Die Datenbank zu erweitern, steht neben der Internationalisierung nun ganz oben auf Hochkirchens To-Do-Liste. Das Ziel: Ärzte sollen bei Amboss mehr konkrete Therapieempfehlungen bekommen.