Was muss sich Ihrer Ansicht nach ändern?
Von Hardenberg: Das System an sich. Die Dinge sind nicht mehr so, wie sie früher waren. Es gibt Frauen, die eine Festanstellung haben, zwei Jahre Elternzeit machen und dann wieder kommen. Das ist auch gut so. Aber es gibt eben auch Frauen wie uns, die direkt nach der Geburt wieder in ihre Jobs wollen, die eine eigene Firma haben. Und davon wird es immer mehr geben. Für die gibt es keine Lösungen.
Cramer: Es ist auch immer noch ein Tabu-Thema, zu gründen und schwanger zu sein. Bisher ist die Mentalität: ‚Trotz Kind bin ich Vollzeit-Unternehmerin. Und ihr merkt das gar nicht, dass ich ein Kind habe.‘ Aber wir wollen das nicht verheimlichen oder uns so verhalten, als hätten wir kein Kind. Ich werde nach der Geburt wahrscheinlich weniger arbeiten können. Und das ist doch okay. Ich will mein Kind mit auf Meetings nehmen und es nicht verstecken müssen!

„Die Auflagen für Betriebskitas kann ein Start-up nicht erfüllen“

Aber das können Sie ja.
Cramer: Ja, aber zu welchem Preis? Ich bin jetzt in der 25. Woche und anscheinend jetzt schon 20 Wochen zu spät in der Planung für einen Kindergartenplatz. Das ist doch völlig verrückt. Ich kann das nur ausgleichen, in dem ich sage: Ich zahle jetzt aus meinem eigenen Netto eine Tagesmutter. Das kann es nicht sein.
Von Hardenberg: Wir brauchen flexiblere Modelle. Das gilt auch zum Beispiel auch für Betriebskitas…
Cramer: …genau! Als Unternehmerinnen könnten wir ja auch Kindergärten bauen. Es geht ja nicht nur um uns, sondern auch um unsere Mitarbeiterinnen. Aber da brauchst du soundso viele Quadratmeter Innenfläche, soundso viele Quadratmeter Außenfläche, du musst einen Anteil X an Kindern von außerhalb aufnehmen. Das sind Auflagen, die ich als Start-up nicht erfüllen kann.
Von Hardenberg: Wir haben das auch versucht, aber es ist einfach nicht möglich, weil es mit solchen enormen Kosten und mit solchen hohen Auflagen verbunden ist – und die Wirtschaftsprüfung unseren Laden beim kleinsten Fehler dicht machen kann.
Cramer: Wir müssen den Firmen die Chance geben, einen gesellschaftlichen Missstand aufzuheben. Klar muss es Regeln für die Kindererziehung geben, aber derzeit sind die Hürden einfach zu hoch. Es gibt keinen, der uns sagen kann: So und so geht’s, das sind die fünf Schritte. Jedes Unternehmen muss zwei Leute für sowas abstellen, jedes Unternehmen selber kämpfen. Und wir haben keine zwei Leute, die wir dafür abstellen können, weil die Leute im Zweifel im Lager packen müssen. Unsere Stellen sind nun mal nicht doppelt besetzt.