Die Euphorie zur Unternehmensgründung ist groß – die Anzahl an Stolperfallen ist es ebenfalls. Worauf junge Unternehmer achten sollten, um juristischen Streit wie bei Aldi zu vermeiden.

Gerade kracht es gewaltig im Hause Albrecht: Die Aldi-Nord-Gründerfamilie streitet sich über die exakte Verteilung von Anteilen an dem milliardenschweren Handelskonzern. In jungen Unternehmen geht es zu Beginn um ungleich geringere Werte. Dennoch warnt Rechtsanwalt und Notar Martin Notthoff davor, die juristische Grundlagenarbeit zu unterschätzen. Der Partner in der Kanzlei Göhmann in Hannover plädiert dafür, gerade am Anfang sorgfältige Überlegungen in die Gesellschafterverträge zu investieren – um schon das Start-up rechtlich auf sichere Füße zu stellen.

Warum ist es so wichtig, sich früh mit den rechtlichen Strukturen auseinanderzusetzen?
Oft beginnt es ja mit einem Projekt und einem Vertrag unter Freunden – aber auch da sollte man schon früh an ein mögliches Ende denken. Die Folgen von späteren Streitereien können verheerend sein: Es drohen öffentlichkeitsträchtige Streitereien zwischen Gesellschaftern oder Nachkommen, die die Marke in den Schmutz ziehen können. Manchmal müssen Unternehmen zerschlagen werden, weil sich Erben nicht einigen können.

Gerade zu Beginn drohen solche Szenarien ja wahrscheinlich noch nicht…
Aber auch wenn zwei Freunde gründen, muss der Vertrag feindestauglich sein. Vor Abschluss eines Gesellschaftsvertrages sollten gerade zu Beginn auch alle Möglichkeit besprochen werden: Von den möglichen Entwicklungen in einem, drei oder fünf Jahren bis hin zu einer Trennung. Denn wie in einer Ehe gilt auch hier: Wenn der Zwist einmal da ist, sind klärende Gespräche oft nicht mehr möglich.

Für junge Unternehmen mit begrenzten Ressourcen ist oft erst einmal juristische Unterstützung teuer und zeitaufwändig.
Das stimmt. Und gerade zu Beginn werden viele Gründer überrollt vom Alltag. Da denken die Unternehmer oft nicht daran, alle paar Jahre mal nach den Dokumenten zu gucken und die anpassen zu lassen. Gerade deshalb ist es jedoch riskant, sich zu Beginn mit einem Standardvertrag abspeisen zu lassen. Das Gute: Die notarielle Dienstleistung an sich kostet bei jedem Notar dasselbe – gerade deshalb sollte man zu Beginn nicht die Katze im Sack kaufen, sondern sich seinen Notar sorgfältig aussuchen, um ein Gefühl für seine Arbeitsweise zu kriegen.

Welche Punkte sollten unbedingt beachtet werden?
Alle grundsätzlichen Punkte sollten angesprochen werden: Welche gegenseitigen Vertretungsregelungen etwa für die gründenden Gesellschafter gelten. Was passiert, wenn einer der Gründer aussteigen will oder soll – und welche Wettbewerbsverbote gelten in diesem Fall für ihn. Und auch das Erbrecht ist oft nicht im Blick, weil Gründer vielleicht noch gar keine Kinder haben. Aber was im Ernstfall mit dem Unternehmen passiert, sollte geregelt sein. Blut mag da dicker sein als Wasser, Qualität geht aber in Unternehmen vor.

Wenn diese Grundlagen beachtet sind – wann müssen die Unternehmer wieder ran an die Verträge?
Verträge sind atmende Organismen und müssen regelmäßig angepasst werden. Sie müssen – wie Menschen – wachsen, d. h. sich entwickeln und immer auf den aktuellen Stand gebracht werden. Gerade zu Beginn hat man vielleicht große Ideen, aber noch keine reellen Werte geschaffen. Sobald sich zentrale Unternehmenskennzahlen deutlich verändern, sei es der Umsatz, die Anzahl der Kunden oder eine Bewertung, dann ist es höchste Zeit. Mit einer guten Grundlage geht das natürlich leichter.

Welchen Spielraum habe ich, wenn Investoren vor der Tür stehen?
Wenn man das Geld unbedingt braucht, mag man in manchen Fällen wenig Einflussmöglichkeit haben. Aber sobald man eine gute Verhandlungsposition mitbringt, erleichtert ein solides Vertragswerk die Gespräche. Oft gilt jedoch, dass eben erst mit Freundschaftsverträgen gearbeitet wurde und beschlossen wird, sich richtig darum zu kümmern, wenn jemand dazu kommt. Das aber kann dann schon die erste Bewährungsprobe sein.