Um von München aus weitere Städte in der Schweiz erobern zu können, erhält der Vermietungsdienstleister einen Millionenbetrag. An der Nähe zur Buchungsplattform Airbnb hält das Start-up fest.

Großstädte und Ferienregionen in der Schweiz nimmt das Münchener Start-up Airgreets ins Visier: Das Unternehmen kümmert sich um die Zwischenvermietung von Wohnungen und hat nun in einer neuen Finanzierungsrunde eine siebenstellige Summe von Investoren eingesammelt, wie Mitgründer und Geschäftsführer Sebastian Drescher heute auf Anfrage von WirtschaftsWoche Gründer erklärte. Über die genaue Summe sei mit Hauptinvestor Ringier Digital Ventures Stillschweigen vereinbart worden.

Bei der Expansion konzentriere sich Airgreets zunächst auf Zürich, wo der Start im Sommer dieses Jahres geplant sei, so Drescher: „Damit haben wir uns die wichtigsten acht Städte in der DACH-Region erschlossen. Danach wäre es sicherlich eine Option, sich auch die Ferienregionen anzusehen.“ Die 2016 gegründete Firma ist seit Anfang des Jahres bereits in Wien vertreten, zudem in sechs deutschen Großstädten.

Airgreets richtet sich an Privatkunden, die ihre Wohnung etwa über Buchungsportale wie Airbnb zeitweise zwischenvermieten. Über die Online-Plattform können Gastgeber Inserate erstellen lassen und Anfragen von Gästen verwalten. Kommt eine Buchung zustande, kümmert sich ein City-Manager mit Hilfe von Minjobbern um die gelistete Unterkunft und koordiniert zum Beispiel die Kommunikation sowie die Reinigung vor und nach dem Besuch. Dafür verlangt das Start-up ein Viertel der Mieteinnahmen als Provision.

Fokus auf Automatisierung

Inzwischen beschäftigt die Firma 20 Mitarbeiter in Vollzeit und will mit der Teamgröße auch auf dem aktuellen Wachstumskurs vorerst auskommen. Die Mittel aus der neuen Finanzierung sollen vor allem in die IT fließen und dabei helfen, Datenverarbeitung zu vereinfachen und Abstimmungsprozesse zu automatisieren.

Obwohl das Geschäftsfeld rund um die Untervermietung von Privatwohnungen umstritten ist, rechnen Kapitalgeber dem Unternehmen Chancen aus: „Neben den allgemeinen Innovations- und Technologie-Trends in der Immobilienbranche bestärkt das erhöhte Reiseaufkommen der Bevölkerung sowie auch die Suche nach Alternativen zu Hotels den Trend zum Home-Sharing-Markt“, lässt sich Benjamin Solenthaler, Investment Manager bei Ringier Digital Ventures, in einer Pressemitteilung zitieren. Für das Münchener Start-up ist es bereits die zweite Finanzierungsrunde innerhalb eines Jahres – im Februar 2018 erhielten die Gründer  eine Million Euro von mehreren Investoren.

Auch in Zukunft will sich Airgreets nah an dem Angebot der Buchungsplattform Airbnb ausrichten, sagt Geschäftsführer Drescher. Hintergrund sei die starke Marktposition des Online-Portals bei der Vermittlung von privaten Unterkünften. Er schließt aber eine Erweiterung des Geschäftsfeldes nicht aus: „Wir haben einen Service entwickelt, der außerhalb des Home-Sharing-Bereichs auch beispielsweise anwendbar ist auf Service-Apartments im Gewerbebereich – das ist auch eine interessante Möglichkeit der Ausweitung unseres Angebots“, sagte der 31-jährige Gründer.

Auf dem Gebiet ist zum Beispiel das Kölner Start-up Homelike unterwegs, das möblierte Wohnungen für Geschäftsreisende vermittelt. Im August vergangenen Jahres gaben Investoren in einer Finanzierungsrunde zwölf Millionen Euro für die Weitentwicklung der Geschäftsidee.