Karlsruhe steht für Künstliche Intelligenz – bei der Suche nach Kapital müssen sich Start-ups aber häufig anderswo umschauen. Evoach berichtet aus dem Ökosystem im Südwesten Deutschlands.

Montag ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer. In regelmäßiger Folge erzählen Start-ups, die sich in den über das ganze Land verteilten Digital Hubs engagieren, aus ihrem Ökosystem. Heute berichtet Rebecca Rutschmann von Evoach. Das Start-up unterstützt Firmen und deren Mitarbeiter mit einer webbasierten Lösung für das Selbstcoaching. Das junge Unternehmen ist Teil des Cyberlabs in Karlsruhe, Sitz des AI Hubs mit dem Schwerpunkt Künstliche Intelligenz.

Ihr seid Teil des AI Hub Karlsruhe. Warum?
Wir sind Teil des Cyberlabs, das ist der IT-Incubator hier in Karlsruhe, der auch an das Land Baden-Württemberg angegliedert ist. Dadurch haben wir Büroräime, Unterstützung in Form von Beratung und auch einen guten Mentor gefunden, der uns die ersten Jahre begleitet. Durch den Zugang ins Netzwerk erhalten wir außerdem mehr Sichtbarkeit und Reichweite. Der Hub öffnet einem hier die richtigen Türen.

Was gefällt euch am Ökosystem vor Ort? Was sind die Stärken der Region – inhaltlich und infrastrukturell?
Karlsruhe hat einen großen Tech- und vor allem auch Deep-Tech-Fokus. Das ist sehr gut für unsere Technologiethemen und das Thema Künstliche Intelligenz. Wir haben die Hochschule mit einem der besten Informatikstudiengänge in Deutschland und den besten Lehrstühlen für KI und Machine Learning. Nach München sind hier außerdem die meisten IT-Unternehmen angesiedelt.

Woran mangelt es noch?
Unser Schwerpunkt EduTech ist hier noch nicht so gegeben, in ganz Deutschland ist das noch nicht etabliert, obwohl digitales und lebenslanges Lernen ein essentielles Thema ist. Richtig verankert ist es in der Start-up-Szenen noch nicht. Der Bereich entsteht gerade erst und ist einer der am stärksten wachsenden Märkte. Daher ist auch der Zugang zur Wirtschaft und Industrie noch etwas, an dem man in den Inkubatoren und Acceleratoren arbeiten müsste.

Was konntet ihr von anderen Gründern im Hub lernen? Wie hat sich die Nähe zu anderen Gründern ausgezahlt?
Es ist immer wieder gut zu sehen, dass andere mit den gleichen Problem kämpfen, in ähnlichen Phasen der Gründung. Das Gefühl, nicht alleine zu sein und sich austauschen zu können, ist sehr hilfreich. Die Community ist hier wirklich auch sehr offen und man unterstützt sich gegenseitig. Zuletzt haben wir zum Beispiel auch einen Female Tech Founders Circle ins Leben gerufen.

Wie leicht findet ihr in eurer Region Mitarbeiter?
Ich glaube das ist eine Herausforderung für alle, die im Technologiebereich unterwegs sind. Ich habe das Gefühl, dass es hier in der Region durch den Zugang ans KIT und die weiteren Hochschulen besser ist. Auf Werkstudentenbasis funktioniert es super, und auch bei erfahrenen Entwicklern ist es hier sicherlich besser als in Berlin oder München, wo sich alle um die Fachkräfte schlagen. Da sind wird hier relativ gut aufgestellt.

Und wie steht es in eurem Ökosystem um den Zugang zu Kapital?
Hier direkt vor Ort ist es eher schwierig. Unser jetziger Investor ist aus Stuttgart. Die Tickets hier in der Region sind nicht besonders groß. Richtung Berlin haben wir bisher noch nicht den Zugang und der Berliner Start-up Markt ist natürlich auch extrem überlaufen. Der tickt zudem ganz anders. Ich glaube, da ist Karlsruhe noch nicht wirklich auf dem Schirm. Die Finanzierung läuft dann über andere Kanäle, die nicht hier in der Region sind.

Wie gut gelingt die Zusammenarbeit mit Mittelständlern und Konzernen?
Bei Firmen unter 300 Mitarbeitern ist das Thema oft nicht präsent, weil sie keine ausgeprägte Personalentwicklung haben und das Thema Coaching oft nicht im Unternehmen gelebt wird. Daher arbeiten wir mehr mit Corporates zusammen. Die Hürden für Start-ups sind hier noch sehr hoch, die Prozesse dauern lange und man braucht einen langen Atem. Wenn es dann aber funktioniert, macht die Zusammenarbeit sehr viel Spaß.

Würdet ihr euch von – lokalen oder regionalen – Behörden und Verwaltungen mehr Unterstützung wünschen?
Insgesamt sind die Prozesse schon eher aufwändig und kompliziert. Es könnte mehr Hilfestellung vom Land geben, beispielsweise bei der Beantragung des Pre-Seed-Darlehens von Baden Württemberg. Oft weiß man auch nicht, wo man welche Fördermittel und Unterstützung bekommt. Da hilft dann eher die Community weiter.

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