Das Start-up erstellt Fitnessprogramme, die auf Atemanalysen basieren – Firmen buchen das als Bonus für die Belegschaft. Andrea Henkel bringt sich jetzt bei den Berlinern ein.

Der erste Kontakt stammt noch aus ihrer aktiven Zeit: Andrea Henkel, die als Biathletin zwei olympische Goldmedaillen und acht Weltmeisterschaftstitel holte, nutzte zur Leistungsdiagnose Atemanalyse-Geräte, die der Sportwissenschaftler Martin Kusch mit entwickelt hatte. Jahre später kreuzen sich diese Wege erneut: Henkel hat sich zum Jahresbeginn an dem Start-up Aeroscan beteiligt, an dem Kusch seit mehr als drei Jahren arbeitet.

Die grundlegende Technologie ist dabei geblieben, das Geschäftsmodell hat sich gewandelt: Aeroscan will aus einer ersten Atemanalyse mit der patentierten Technik den Gesundheitszustand von normalen Nutzern erkennen – und leitet daraus individuelle Fitness- und Ernährungsprogramme ab. Zuerst zielte das Team von Kusch dabei auf Hobbysportler und Abnehmwillige: „Diese Zielgruppen zu erreichen, war jedoch sehr teuer“, berichtet Kusch im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer.

Fitness auf Kosten der Firma

Mittlerweile setzt Aeroscan auf einen anderen Vertriebsweg: Das Start-up mit Sitz in Berlin verkauft die kompletten Programme an Unternehmen – die diese dann wiederum als Bonus ihrer Belegschaft ermöglichen und so das betriebliche Gesundheitsmanagement ausbauen. Über 500.000 Nutzer im deutschsprachigen Raum will Aeroscan nach eigenen Angaben so bereits erreicht haben. Als Referenzkunden stehen Unternehmen wie Adidas, die AOK oder Vodafone auf der Homepage.

In welcher Höhe sich Henkel, die seit ihrem Karriereende in den USA lebt und dort als Trainerin arbeitet, an Aeroscan beteiligt hat, gibt das Start-up nicht bekannt. Insgesamt seien von verschiedenen Business Angels bislang 1,2 Millionen Euro investiert worden, sagt Kusch. Aktuell guckt sich Aeroscan, für das im Moment etwa 20 Angestellte arbeiten, nach Geldgebern für eine umfangreichere Finanzierungsrunde an. „Jetzt stehen wir vor einem Sprung, den wir nur mit Wachstumskapital schaffen können“, sagt Kusch.

Die ehemalige Biathletin Henkel soll dabei nicht nur die finanzielle Kondition des Start-ups verbessern. „Sie ist eine aktive Gesellschafterin“, betont Kusch. So könnte die Ex-Profisportlerin in Zukunft auch bei Motivationsvorträgen und Workshops bei den Kunden zum Einsatz kommen. Auch andere ehemalige Sportler betätigen sich als Berater und Investoren in der Gründerszene – oder gründen gleich selbst.