Im Interview spricht der CEO und Mitgründer von Jobteaser über die Mission seines Unternehmens, Wachstumspläne – und Herausforderungen bei der Internationalisierung.

Noch sind im neuen Büro von Jobteaser in einem Kölner Co-Working-Space viele Schreibtische leer – doch das Bild dürfte sich in den kommenden Wochen schnell wandeln: Das Pariser Start-up stockt gerade sein Deutschland-Team kräftig auf. Bislang nutzen 100 Hochschulen in Deutschland die Plattform als ihr Karriereportal für Studierende. Auch in Großbritannien will Jobteaser seine Präsenz ausbauen.

 Geld für die Expansion ist vorhanden: Im September hatte das 2008 gegründete Unternehmen 50 Millionen Euro vom Investmentfonds Highland Europe und weiteren Investoren bekommen. Im Interview mit WirtschaftsWoche Gründer erklärt CEO und Mitgründer Adrien Ledoux (im Foto rechts), wie das Unternehmen das schnelle Wachstum stemmt, welche Herausforderungen er bei der Internationalisierung sieht – und warum Jobteaser mehr sein will als eine Stellenbörse.

Herr Ledoux, Jobteaser will bis zum Jahresende alleine in Köln von 17 auf 40 Mitarbeiter wachsen. Ein weiteres Büro gibt es in München. Was macht den deutschen Markt so interessant für Sie?
Der Arbeitsmarkt in Deutschland brummt und der Wettbewerb um Talente ist groß. Das sind ideale Voraussetzungen für uns. Schließlich bringen wir mit unserer Plattform Unternehmen und Studenten zusammen, die ein Praktikum, einen Nebenjob oder eine erste Vollzeitstelle suchen.

Ihr Produkt ist rein digital – trotzdem setzen Sie bei der Expansion in Europa auf lokale Büros. Warum?
Anders als die USA ist Europa einfach kein einheitlicher Markt. Es gibt nicht nur unterschiedliche Sprachen, sondern auch erhebliche kulturelle, ökonomische und rechtliche Unterschiede. Für unsere Partner ist es zudem wichtig, lokale Ansprechpartner zu haben. Wenn man es mit der Expansion ernst meint, muss man das Unternehmen in jedem Land noch einmal neu gründen.

Sie zielen darauf, dass Hochschulen ihre bisherigen Karriereportale durch Jobteaser ersetzen. Ist dafür nicht zwingend eine Ausschreibung erforderlich?
Nein, denn wir stellen den Bildungseinrichtungen nichts in Rechnung. Sie können einfach unsere Software in ihr Intranet einbinden und profitieren davon, dass sie sich technisch um nichts Weiteres mehr kümmern müssen. Auch für Studierende ist Jobteaser gratis. Und Unternehmen können Stellenanzeigen ebenfalls kostenlos einstellen. So profitieren alle Stakeholder im Ökosystem.

Wie verdienen Sie dann Geld?
Mit Zusatzservices für Unternehmen. Wie gesagt: Es kostet nichts, wenn eine Firma lokal eine Stellenanzeige schaltet. Aber wenn die Anzeige parallel auch in den Portalen anderer Partneruniversitäten erscheinen soll, nehmen wir dafür eine Gebühr. Recruiter können so mit einem Schlag bis zu 2,5 Millionen Studierende an europaweit 600 Hochschulen in unserem Netzwerk erreichen. Kostenpflichtig sind auch Profilseiten, mit denen sich Unternehmen bei Jobteaser ausführlich vorstellen. Des Weiteren bieten wir neuerdings eine Funktion an, mit der Recruiter gezielt die Nutzer erreichen können, deren Profil zur ausgeschriebenen Stelle passt.

Wie kam es zu dem ungewöhnlichen Geschäftsmodell?
Auf die Idee brachte uns die Essec, eine Business School in Paris, an der ich selbst auch studiert habe. Dort schlug man uns vor, unsere Plattform in deren Intranet zu integrieren, so dass Studierende sofort darauf zugreifen können. Nach kurzer Zeit kam 50 Prozent unseres Traffics über die Hochschule. Da war klar, dass darin ein großes Potenzial liegt. Tatsächlich haben wir heute de facto keinen bedeutenden Wettbewerber und sind in Frankreich schon profitabel.

Sie betonen immer wieder, dass Sie jungen Menschen bei der Berufsorientierung helfen wollen. Aber ist Jobteaser nicht vor allem ein Jobportal?
Die Stellenbörse ist nur ein Teil unseres Angebots. Unternehmen können ihre Profile für Studierende durch Videos sehr lebhaft gestalten und so Kultur, Mitarbeiter und Berufe vorstellen. Dadurch bekommen die Nutzer einen realistischen und attraktiven Einblick in den Arbeitsalltag des jeweiligen Jobs. Außerdem bieten Firmen bei uns Webinare und Events an – all das kann bei der Entscheidung, welchen Beruf man ergreifen will, helfen. Aber es stimmt: Erfüllt haben wir unsere Mission damit noch nicht. Deswegen investieren wir die Mittel aus der Finanzierungsrunde außer in die Internationalisierung auch stark in die Produktentwicklung.

Was haben Sie konkret vor?
Wir arbeiten an einer App, über die Nutzer eine Art persönliches Coaching erhalten. Geplant sind drei Stufen: Erst einmal wird einen psychologischen Test geben, mit dem man seine Stärken und seine Motivation ermitteln kann. Dann erhält man einen Marktüberblick und kann schließlich konkrete Jobs finden. Das Ganze wird mit interaktiven Aufgaben begleitet.

Wie hängt das mit Ihrem Kerngeschäft zusammen?
Es wird sehr viele Querverbindungen zu unserem bestehenden Angebot geben. Beim Marktüberblick beispielsweise spielen die Jobvideos von Unternehmen eine große Rolle. Und dank unserer großen Nutzerbasis können wir Studierende mit Absolventen in Kontakt zu bringen, die einen ähnlichen Job angenommen haben – und von ihren Erfahrungen berichten können. Mir persönlich hätte so etwas stark geholfen: Ich bin bei einer Beratung ins Berufsleben eingestiegen, musste dann aber schnell feststellen, dass das überhaupt nichts für mich ist. Ähnlich ging es meinem Mitgründer. Daraus ist überhaupt die Idee zu Jobteaser entstanden.

Wird die App Geld kosten?
Nein, das Angebot soll für Nutzer kostenlos sein. Für mich ist erst einmal wichtig, unsere Mission noch besser zu erfüllen. Finanziell wird sich das Ganze auf längere Sicht aber auch auszahlen. Eine mögliche Erlösquelle ist, dass Unternehmen dafür bezahlen, mit ihren Videos an passender Stelle aufzutauchen. Wichtiger noch: Das virtuelle Coaching ist auch für Menschen interessant, die sich beruflich neu orientieren wollen. Damit führen wir eine neue Nutzergruppe an unsere Plattform heran.

Zurück zu ihren Wachstumsplänen: Im kommenden Jahr wollen Sie insgesamt 400 Mitarbeiter beschäftigen – aktuell sind es schon 280. Wie stellen Sie sicher, dass alle an einem Strang ziehen?
Tatsächlich ist es eine riesige Herausforderung, unsere Unternehmenskultur zu bewahren.  Wir haben unsere Werte einmal in dem Akronym HEAT zusammengefasst. Das steht für Humility (Demut), Engagement, Agility und EnThusiasm. Bei jeder Neueinstellung klopfe ich die Bewerber darauf ab. Wir werden niemanden einstellen, der fachlich super ist, aber dem es nur ums Geldverdienen geht. Wir brauchen vor allem Menschen, die unsere Ziele teilen – und denen es wichtig ist, einen Job mit tieferem Sinn zu haben.

Wie stark hilft Ihnen Ihre eigene Plattform beim Recruiting?
Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass wir alle Stellen ausschließlich über die Plattform besetzen. Tatsächlich sind es bislang aber etwa 40 Prozent. Fast genauso wichtig sind aber persönliche Kontakte und Empfehlungen von Mitarbeitern.

Herzlichen Dank für das Gespräch.