Das Start-up will Autofahrern unterwegs passende Suchergebnisse ausspielen – und damit den Herstellern auch ein digitales Gegengewicht zu Google ermöglichen. Ein Ex-VW-Chef ist unter den ersten Investoren.

Die genaue Route wird noch berechnet – das  Ziel ist bereits klar: Die Autohersteller wollen in Zukunft den Kontakt zu ihren Kunden nicht mehr verlieren, sobald das Fahrzeug den Hof des Händlers verlässt. Das vernetzte Modell soll Daten in jede Richtung funken. Und so auch neue digitale Geschäftsmodelle ermöglichen. Im Wettkampf sind die traditionellen Herstellern dabei mit Tech-Konzernen wie Google oder Apple, die sich ihren Weg ins Auto suchen.

Fabian Beste, Simon Hecker und Christoph Mahlert haben lange Zeit für BMW an solchen Lösungen gebastelt. Seit Anfang des Jahres ist das Trio jedoch mit einem eigenen Start-up unterwegs: 4.Screen will eine Plattform werden, über die Geschäfte, Gastronomie oder auch Tankstellen gezielt Angebote platzieren können – die dann den Fahrern unterwegs ausgespielt werden. 51 Minuten pro Tag sitze ein Autofahrer durchschnittlich unterwegs, sagt Mitgründer Hecker. Unterwegs müssen sie Pause machen, fahren Tanken oder Einkaufen und planen Restaurantbesuche: „Man trifft Kaufentscheidungen hinter dem Steuer“.

Autohersteller wollen bessere Tipps geben als Google

Und die sollen über das System so sehr erleichtert werden, dass die Fahrer nicht mehr zwischendurch auf das Smartphone schauen. Die Idee von 4.Screen: Unternehmen können Anzeigen oder Angebote platzieren und Zielgruppen definieren – ähnlich wie die Werbung in sozialen Netzwerken ausgespielt wird. Über die Technologieplattform des Start-ups können die Navigations- oder Unterhaltungssysteme verschiedener Hersteller mit den Informationen versorgt werden.

Die Hoffnung: Wenn eine Tankstelle einem Fahrer mit Oberklasse-Modell zum Benzin noch einen Kaffee spendiert, könnte der sich auch für einen kleinen Umweg begeistern. Und wenn ein kleineres Restaurant mit einem Sonderangebot wirbt, wird auf dem Heimweg vielleicht ein außerplanmäßiger Zwischenstopp eingelegt.

Dabei könne jeder Hersteller entscheiden, welche Angebote wirklich angezeigt werden, betont Hecker. Und entscheiden sich Autofahrer überwiegend gegen einen solchen gesponserten Tipp, wird das Angebot immer seltener angezeigt. Die werbenden Unternehmen zahlen für die Anzeige ihrer Tipps Geld an die Fahrzeugbauer, 4.Screen erhält einen Teil dieser Summe. „Google möchte die Kundenschnittstelle der Automobilhersteller besetzen“, sagt Hecker, „wir sind ein Baustein in der Kette, eine Gegenposition dazu aufzubauen.“

Zielgruppe: Mehrere Millionen Autos

Mitte nächsten Jahres soll das System starten. Nach und nach soll es dann im Hintergrund der Systeme von immer mehr Autoherstellern und Modellen verfügbar sein, die bereits mit dem Internet vernetzt sind. Rein technisch sind das heute schon gut acht Millionen Autos in Deutschland, schätzt Hecker.

4.Screen ist sich sicher, dass der herstellerübergreifende Ansatz dabei punktet. Einzelne Fahrzeugbauer hätten immer noch zu kleine Flotten auf der Straße, um für große Handelsketten relevant zu sein. „Da braucht es eine Aggregrationsschicht wie uns“, sagt Hecker. Die Kalkulation: Kommt ein Angebot beim Golf-Fahrer gut an, könnte auch einen Corsa-Besitzer interessieren. Und was eine BMW-7er-Fahrerin überzeugt, dürfte auch eine S-Klasse-Besitzerin nicht kalt lassen.

Matthias Müller gehört zu den ersten Investoren

Aktuell ist das Team, das von München aus arbeitet, bereits auf etwa zehn Personen gewachsen. Dazu kommen jedoch enge Partnerschaften mit Tech-Konzernen wie Microsoft, Nvida oder der Telekom. Für die weiteren Wachstumsschritte hat das Start-up zudem jüngst eine erste Finanzierungsrunde abgeschlossen. Dafür hat das Gründertrio acht Business Angels überzeugt, die neben ihrem Kapital Expertise entweder im Automotive- oder im Handelsbereich mit einbringen.

Der wahrscheinlich prominenteste Neu-Gesellschafter ist dabei der ehemalige Volkswagen Konzernchef Matthias Müller. „Solche Plattformansätze sind die notwendigen Bausteine, um die Digitalisierung des Automobils skalierbar zu gestalten“, lässt sich Müller zitieren, der 2018 von Herbert Diess abgelöst wurde. „Ich bin fest davon überzeugt, dass dieser Ansatz der entscheidende Baustein zur Digitalisierung der Automobilindustrie ist.“ Insgesamt stellen die privaten Geldgeber 4.Screen eine siebenstellige Summe zur Verfügung.