Es ist ein allgemeines Sprichwort, dass eine Gründung ein Marathon und kein Sprint ist. Und trotzdem gilt oftmals: wachse schnell oder stirb schneller. Es gibt einen Faktor, der selten im Businessplan berücksichtigt wird: der lange Atem, den man für einen Marathonlauf braucht.

Für mich, als Herzblut- und nicht Exitgründerin, ist es schmerzhaft mit anzusehen, wie ein Unternehmen aufgibt, für welches hart gekämpft wurde und dessen Entwicklung man über Monate oder Jahre verfolgt hat. Wie mögen sich die Gründer dabei fühlen? Und ist die Rückkehr in die Festanstellung ohne Scham möglich? Wie tritt man den Zweiflern entgegen, die sich nun bestätigt fühlen? Der Schritt des Scheiterns ist sicher mindestens so schwer wie der des Gründens.

Start-ups machen immer wieder die gleichen Fehler

Obwohl sich in Deutschland ganz langsam eine Kultur des Scheiterns entwickelt, verschwindet ein Großteil der gewonnenen Kompetenzen in Schubladen in der Versenkung. Man spricht genauso ungern über das Scheitern, wie über das eigene Gehalt. Am ehesten wird noch das Gelernte in eine eigene Neugründung investiert, selten wird aber offen über diese Erfahrungen gesprochen. So werden die gleichen Fehler immer wieder begangen und junge Gründer werden versuchen, den Shootingstars der Branche nachzueifern, ohne von den Erfahrungen anderer profitieren zu können.

Einen Monat später sitze ich in einem Workshop bei dem Inkubator, von dem das Reiseportal sein erstes Stipendium erhielt. Es geht um Marken- und Patentrechte und eine Vorstellungsrunde dient dazu, kurz seine Geschäftsidee und sein Anliegen zu präsentieren. Neben mir sitzt ein junger Mann, der euphorisch von seiner Geschäftsidee berichtet: ein Portal für nicht stornierbare Reisen…