Die Kreativagentur geht unter die Investoren – und sucht auch nach passenden Kandidaten für die eigenen Kunden. Wie man diesen Spagat schaffen will, berichtet Xavier Sarras.

Immer mehr Unternehmen etablieren Acceleratoren, Inkubatoren und Beteiligungsvehikel, um sich an Start-ups zu beteiligen – immer häufiger mit einem Fokus auf Nischen der Gründerwelt. Jetzt hat auch die Kreativagentur Zum goldenen Hirschen, die unter anderem für BMW oder die Allianz arbeitet, ein eigenes Programm gestartet. Verantwortlich für dieses neue Geschäftsfeld ist Partner Xavier Sarras. In seiner Agentur Zerotwonine, die Anfang des Jahres mehrheitlich von Zum goldenen Hirschen übernommen wurde, hatte er bereits Erfahrung mit „Service gegen Equity”-Modellen gesammelt – dahinter steckt ein Tausch von Marketing-Dienstleistungen gegen Anteile.

Jetzt soll das ganze auch im Großen aufgezogen werden. Im Interview mit WirtschaftsWoche Gründer berichtet Sarras, wie Kreativarbeit und Beteiligungsgeschäft zusammenpassen – und wie er Gründer überhaupt vom eigenen Angebot überzeugen will.

WiWo Gründer: Jetzt auch noch die Werber: Sie haben frisch eine Beteiligungsgesellschaft innerhalb der Werbeagentur Zum goldenen Hirschen gegründet. Warum suchen auch Sie jetzt Start-ups?

Sarras: Zum einen verändert sich das Geschäftsmodell der Werber selbst. Darüber hinaus gilt: Wir haben uns immer als eine Ideenagentur verstanden – wir setzen Kreativität ein, um Businessprobleme zu lösen. Dadurch sind wir nah dran an unseren Kunden. Die sind selbst mitten drin in der digitalen Transformation und kriegen das zum Teil gar nicht selbst hin in dem notwendigen Tempo. Wir als Berater finden da Synergien mit Start-ups und können Kooperationen herstellen.

Welche Start-ups sind für Sie interessant?

Wir gucken auf junge Unternehmen, die unser eigenes Geschäftsmodell disruptieren. Da spielt Virtuelle Realität natürlich eine Rolle, aber auch Chatbots oder Commerce kann interessant sein. Insgesamt geht es um die Automatisierung der Werbung, ob im kreativen Prozess oder in der Auslieferung der Produkte. Darüber hinaus suchen wir auch nach B2B und B2C-Start-ups, die für unsere Kunden eine hohe Relevanz haben – etwa in Branchen wie Handel, Automobil oder Versicherung. Da kann der Strauß an verschiedenen Geschäftsmodellen dann ziemlich bunt sein, von einer Gastro-App bis zum Insurtech.

Übernehmen Sie sich mit so einem breiten Ansatz nicht?

Wenn man in diesen Feldern unterwegs ist, ist man ohnehin breit unterwegs. Uns ist klar, dass wir uns 1000 bis 2000 Start-ups anschauen werden müssen, um fünf bis zehn vielversprechende Kandidaten zu finden. Der Markt ist in vielen Feldern schon gesättigt – es wird darum gehen, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Wie wollen Sie das schaffen?

Die Venture-Welt wird nicht nur ein Rennen um Unicorns sein. Darum geht es uns auch nicht.  Es gibt ganz großartige Geschäftsmodelle, die durchaus exitfähig sind, ohne eine Milliardenbewertung dafür zu brauchen. Diese Start-ups zu identifizieren und zu begleiten, darin sehen wir eine Chance – auch für die Gründer.