In sieben Monaten verdoppelt das Portal die Höhe der vermittelten Einlagen. Und Fintechs freuen sich: Die Wechselbereitschaft vieler Kunden bleibt hoch.

Ein Konto, viele Anlageangebote für Tages- und Festgelder: Mit diesem Prinzip ist es dem 2014 gegründeten Start-up Zinsportal gelungen, zwei Milliarden Euro an Geldern von Kunden zu vermitteln. Für die erste Milliarde Euro benötigte das Fintech 13 Monate nach Angebotsstart – die aktuelle Schwelle wurde bereits nach sieben Monaten erreicht.

Damit dürfte das junge Unternehmen mit zu den am schnellsten wachsenden Fintechs gehören – auch wenn dabei verschiedene Kategorien zum Tragen kommen, die alle nichts direkt über die Profitabilität der Start-ups aussagen. Konkurrent Raisin mit der Marke Weltsparen hatte kürzlich den Sprung über die drei Milliarden Euro an vermittelten Geldern verkündet. Und im Frühjahr hatte etwa die Smartphone-Bank N26 mit einer Verdreifachung ihrer Kundenanzahl innerhalb eines Jahres beeindruckt.

Zinspilot bietet auf seiner Plattform den direkten Zugang für Kunden an und stellt die Technologie als „Open-Banking-Plattform“ zudem etablierten Instituten wie etwa der Deutschen Bank zur Verfügung. 50 000 Nutzer hat die Dienstleistung laut Angaben des jungen Tech-Unternehmens jetzt bereits. „Die große Nachfrage bestätigt, dass Banken mit unserer Lösung einen wichtigen Mehrwert für ihre Kunden schaffen“, sagt Tim Sievers, Gründer und Geschäftsführer der Mutterfirma Deposit Solutions.

Fintechs können bei wechselwilligen Kunden punkten

Die Wechselbereitschaft bei vielen Bankkunden bleibt unterdessen groß. Mehr als jeder Zehnte wird wahrscheinlich im nächsten Jahr das Konto bei seiner Bank kündigen und zu einem anderen Geldinstitut wechseln, ergab eine aktuelle Umfrage des Beratungsunternehmens Eurogroup Consulting. Fintechs könnten mit kundenorientierten Lösungen und einfacher Bedienbarkeit davon besonders profitieren, sagt Studienautor Heinrich Piermeier: „Nur wenige Banken sehen aktuelle Regulierungen als Vertriebs- und Veränderungschance; hier braucht man bloß auf die Einfachheit der Fintechs schauen, was möglich ist.“

Die 2011 gegründete Mutterfirma Deposit Solutions hat aktuell mehr 100 Mitarbeiter und will nun neben Hamburg, Zürich und London auch weitere europäische Standorte eröffnen. Im vergangenen Sommer wurde das Fintech mit 110 Millionen Euro bewertet. Insgesamt 25 Millionen Euro Investorengelder stammen in dem Unternehmen, das Geld stammt unter anderem e.ventures, Peter Thiel und Finlab. Dessen Vorstand freut sich über die aktuellen Erfolgszahlen: „Diese positive Entwicklung hat natürlich Auswirkungen auf die Bewertung von Deposit Solutions“, sagt Finlab-Vorstnd Kai Panitzki, „hier sehen wir großes Potential für den Nettovermögenswert der Finlab, da die aktuelle Berechnung noch auf der Bewertung der letzten Finanzierungsrunde beruht.“