In den meisten Regionen Deutschlands gibt es immer weniger High-Tech-Gründer – das jedenfalls zeigt eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und von Microsoft Deutschland.

Danach ist die Gründungsintensität in den vergangenen vier Jahren gegenüber den Jahren 2002 bis 2005 in vielen Regionen um fünf bis 20 Prozent zurückgegangen. Im Jahr 2009 gab es nur rund 14.000 Hightech-Startups in Deutschland – nach Angaben von ZEW und Microsoft eines „der niedrigsten Niveaus seit Mitte der 90er Jahre“.

Die Lokomotiven der High-Tech-Branche in Deutschland sind dabei die Ballungszentren. Laut Studie gibt es in Frankfurt die höchste Dichte von Gründern im High-Tech-Sektor: Auf 10.000 Erwerbsfähige kommen hier 4,17 Technologie-Unternehmer. Auch München (3,88), Düsseldorf (3,79) und Hamburg (3,75) liegen vorn. Auf Platz fünf liegt Coburg (3,70).

Die Forscher haben dafür eine simple Erklärung: „Ballungszentren profitieren von einer guten Wissensinfrastruktur“, sagt Georg Licht, Leiter des Forschungsbereichs „Industrieökonomik und Internationale Unternehmensführung“ beim ZEW. Hier gebe es nicht nur viele Universitäten, Fachhochschulen und Studierende in naturwissenschaftlichen Fächern, sondern auch viele potenzielle Kunden.

Aber: „Die Gründungsschwäche in Deutschland ist trotz aller regionaler Unterschiede ein regionenübergreifendes Problem“, so Licht, „gefragt sind deswegen wirtschafts- und innovationspolitische Ansätze, um die Gründungsaktivität insgesamt zu stimulieren.“

Ralph Haupter, Vorsitzender der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland, fordert deswegen „eine gezieltere Investition in die IT-Clusterförderung statt Geld weiter nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen.“ Außerdem seien „Impulse der Politik gefragt“, um High-Tech-Gründer zu fördern, so Haupter. „Wir brauchen in Deutschland ein Gründergesetz, das Gründern einen besseren Zugang zu Wagniskapital ermöglicht, Anreize für Business Angels schafft und die steuerliche Forschungsförderung verbessert.“

Weitere Informationen

Die Studie und weitere Ergebnisse finden sich auf den Internet-Seiten der Gründer-Initiative „unternimm was“ von Microsoft und auf den Internetseiten des ZEW.

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Wie die Daten erhoben wurden

Im Jahr 2009 gab es etwa 14.000 Gründungen im High-Tech-Sektor – laut ZEW und Microsoft eines „der niedrigsten Niveaus seit Mitte der 90er Jahre“. Zudem gibt es große regionale Unterschiede, wie ein Vergleich der IHK-Bezirke zeigt. Die Analyse basiert auf Daten des Mannheimer Unternehmenspanels, die Gründungsintensitäten beziehen sich auf die Anzahl der Gründungen pro 10.000 Erwerbsfähige in einem IHK-Bezirk. Quelle: „Von Tabellenführern, Auf- und Absteigern: Regionale Entwicklung der Gründungstätigkeit“ aus der Reihe „High-Tech-Gründungen in Deutschland“, ZEW und Microsoft Deutschland 2011.

 

Die High-Tech-Aufsteiger

Die Region Oberfranken-Bayreuth hat in den vergangenen vier Jahren den größten Zuwachs an High-Tech-Gründern verzeichnet (plus 27%). Ebenfalls positive Entwicklungen registrierten Frankfurt (plus 6%), Düsseldorf (plus 5%) und Dortmund (plus 4%).

Die High-Tech-Absteiger

Ostdeutsche IHK-Bezirke in Mecklenburg-Vorpommern und Mitteldeutschland sind die Verlierer der Studie: In Rostock, Neubrandenburg, Südthüringen, Halle-Dessau, Magdeburg und Leipzig schrumpfte die Zahl der Hochtechnologie-Gründungen um bis zu 33 Prozent.

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Starker Süden, Schwacher Osten

Die Regionen mit den meisten High-Tech-Gründern liegen im Süden und Westen. Nach Norden und Osten beobachten die Forscher ein starkes Gefälle – ausgenommen sind nur Ballungszentren wie Berlin und Hamburg, die ebenfalls Spitzenplätze belegen. Die geringste Gründungsintensität in den Jahren 2006 bis 2009 ermittelten die Forscher in Bremerhaven, Neubrandenburg und Trier. Quelle: „Von Tabellenführern, Auf- und Absteigern: Regionale Entwicklung der Gründungstätigkeit“ aus der Reihe „High-Tech-Gründungen in Deutschland“, ZEW und Microsoft Deutschland 2011 / Mannheimer Unternehmenspanel.