Das Business-Netzwerk Xing übernimmt Lebenslauf.com, eine Online-Plattform, mit der Jobsuchende schnell und einfach ansehnliche Lebensläufe erstellen können. Der Kölner Seriengründer Thomas Bachem hatte die Plattform aus Mangel an Alternativen und anfangs eher nebenbei aufgebaut – dann lockte sie Tausende Nutzer an. Jetzt soll sie Xing neue Mitglieder bringen – denn Konkurrent LinkedIn holt auf

"Es gab nichts Passendes - also habe ich es eben selbst entwickelt": Seriengründer Thomas Bachem

„Es gab nichts Passendes – also habe ich es eben selbst entwickelt“: Seriengründer Thomas Bachem

Thomas Bachem ist in der Gründerszene kein Unbekannter: Er hat 2006 das Videoportal Sevenload mit gegründet und später das Online-Spiel Fliplife mit aufgebaut – beide Unternehmen verkauften er und seine Mitgründer später. Jetzt hat er seinen dritten Coup gelandet: Das Business-Netzwerk Xing übernimmt seine Plattform Lebenslauf.com für einen sechsstelligen Betrag. Die Absicht dahinter ist offensichtlich: Xing braucht neue Mitglieder, denn Wettbewerber LinkedIn holt auf. Das US-Unternehmen zählt inzwischen fünf Millionen Mitglieder in Deutschland, Österreich und der Schweiz – nur noch knapp zwei Millionen weniger als Xing. Xing wächst allerdings langsamer als sein Wettbewerber, außerdem hat LinkedIn weltweit fast 20 mal so viele Mitglieder.

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Mit Lebenslauf.com könnte Xing nun Menschen erreichen, die zwar bisher kein Profil bei Xing haben, aber durchaus die Vorzüge des Karriere-Netzwerks schätzen dürften. Denn nach Angaben von Seriengründer Thomas Bachem nutzen inzwischen bereits 15.000 Menschen jeden Monat die Plattform, um Lebensläufe für Bewerbungen anzulegen – aber nur ein kleiner Teil von ihnen ist bereits bei Xing registriert. In Zukunft brauchen die Nutzer allerdings ein Xing-Profil, um Lebenslauf.com zu nutzen; im Gegenzug wird das Angebot von Lebenslauf.com nun gänzlich kostenfrei. Bisher verlangte Bachem 5,99 Euro von Nutzern, die nicht nur einen Lebenslauf erstellen, sondern ihn auch als PDF herunterladen wollten. Mehrere Tausend taten das Monat für Monat – und spielten Bachem so mehr Geld ein als er anfangs erwartet hatte.

Auf die Idee zu Lebenslauf.com kam der Unternehmer nämlich eher zufällig: Vor drei Jahren bat eine Bekannte ihn um Hilfe beim Aufsetzen ihres Lebenslaufs. Bachem suchte im Internet nach Plattformen, mit denen man leicht Lebensläufe gestalten kann. „Es gab nichts Passendes“, erzählt der Gründer und Programmierer, „also habe ich es eben selbst entwickelt.“

Und erlebte, wie aus dem „Technik-Experiment“, wie er es anfangs nannte, eine gefragte Plattform wurde: Tausende Nutzer gaben ihre Daten ein oder importierten sie von Xing oder LinkedIn. Laut Bachems Statistiken hat jeder zweite Nutzer Abitur oder Hochschulabschluss; mehr als die Hälfte der Nutzer sind unter 30 Jahren alt. Das heißt: Viele von Bachems Kunden haben ihre Karrieren noch vor sich – was sie für Xing besonders attraktiv machen dürfte.

Sechs Monate, erzählt Bachem, habe er mit Xing verhandelt. „Ich habe lange überlegt, ob ich die Plattform verkaufe“, sagt der Kölner. Kurz vor der letzten Aufsichtsratssitzung des börsennotierten Unternehmens sei er sich dann mit Xing-Chef Thomas Vollmoeller einige geworden. Zum Kaufpreis will er keine genauen Angaben machen, aber ein sechsstelliger Betrag ist wahrscheinlich.

Für Bachem könnten es noch ein paar Hunderttausend mehr und der Kaufpreis damit Gerüchten zufolge sogar siebenstellig werden. Grund: Bachem wird jetzt „Teil der Xing-Familie“, wie er erklärt im Blog des Unternehmens erklärt. Er werde sich auch in den nächsten Jahren um die Weiterentwicklung des Lebenslauf-Portals kümmern – je besser ihm das gelingt, umso mehr zahlt Xing-Chef Vollmoeller dem Gründer nachträglich als Kaufpreis. Und wird sich vielleicht insgeheim ärgern, dass Xing nicht schon früher selbst seinen Mitgliedern die Möglichkeit geboten hat, aus ihren Profildaten Lebensläufe für Bewerbungen zu erstellen – eigentlich doch eine nahe liegende Idee.


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