In der Start-up-Szene mangelt es an Vorbildern für Frauen. „Women in E-Commerce“ will das ändern und gleichzeitig Gründerinnen untereinander vernetzen.

Berlin. Die Veranstaltung unterscheidet sich besonders in einem Punkt von gewöhnlichen Start-up-Events. In der ersten Etage der Berliner Microsoft-Niederlassung dominieren am Mittwochmorgen nicht Gründer, sondern Gründerinnen.

Das verrät auch schon der Name der Initiative, unter dessen Dach sich Gründerinnen, Geschäftsführerinnen, Mitarbeiterinnen und Investorinnen treffen: „Women in E-Commerce“. Mit dem Verbund will Organisatorin Tijen Onaran (die unsere aufmerksamen Leser als Kolumnistin kennen) Frauen mit digitalen Geschäftsmodellen vernetzen. „Es geht mir nicht um eine konkrete Forderung wie ‚20 Prozent Frauen in allen Start-ups‘“, sagt sie. „Women in E-Commerce“ soll stattdessen eine Plattform und eine Bewegung sein, die den weiblichen Teil der Start-up-Szene anspricht und zusammenbringt.

„Wie ein Klassentreffen“

Rund 70 Frauen sind Onarans Einladung gefolgt, darunter bekannte Gesichter wie Juniqe-Chefin Lea Lange oder Joventours-Gründerin Meike Haagmans, aber auch PR-Beraterinnen, Start-up-Mitarbeiterinnen und angehende Gründerinnen. Schon am Eingang stehen die Damen Schlange, weil so viele Menschen nicht auf einmal in den Raum passen. „Wie ein Klassentreffen“, sagt eine Teilnehmerin und lacht. Eine andere merkt an: „Ich war noch nie auf einer Veranstaltung mit so vielen Frauen.“

Wirft man einen Blick auf die Zahlen, verwundert das wenig. In Berlin, der selbsternannten Start-up-Metropole, liegt der Gründerinnen-Anteil bei gerade einmal neun Prozent, wie das „Global Start-up Ecosystem Ranking 2015“ belegt. Kein Wunder, dass Frauen auf Start-up-Veranstaltungen in der Hauptstadt eine Minderheit ausmachen.

Dass Gründerinnen so wenig sichtbar sind, hat aber auch einen anderen Grund. So sieht es Karen Schmid, Programmchefin beim RBB-Sender Radio Fritz und selbst Mutter von Zwillingen. „Wir sind eher die Fleißbienchen, die im Hintergrund werkeln und hoffen, dass uns jemand bemerkt“, sagt sie in ihrer Ansprache. Das würde aber nicht passieren: „Wir müssen die Hand heben und dürfen uns nicht vor der Verantwortung drücken.“ Männer würden stets versuchen, einen ganzen Raum einzunehmen, und den größten Unsinn erzählen, nur um Aufmerksamkeit zu bekommen. Dieses Spiel müssten Frauen manchmal einfach mitspielen, so Schmid. „Es kann sogar Spaß machen“, sagt sie.