Der nun verkündete Wechsel wirft ein Schlaglicht auf die Situation ein Dreivierteljahr nach den jeweiligen Übernahmen – und zeigt die unterschiedlichen Strategien der Unternehmen. Wachsen wollen beide: Die Beratungsgesellschaften erhofften sich durch die Akquisitionen mehr Glaubwürdigkeit und Erfahrung in digitalen Themen und bringen einen globalen Kundenstamm mit, aus dem viele nach neuen Geschäftsmodellen suchen. „Makers verkörpert und verstärkt genau den Start-Up Spirit und die unternehmerische Arbeitsweise, die Teil unserer DNA ist“, sagt Deloitte-Digital-Chef Kolev auch heute noch.

Ein Risiko kann jedoch das Nebeneinander von Prüfungs- und Beratungsmandaten sein. Wenn eine Digitaltochter risikoreiche neue Geschäftsmodelle entwickelt, kann ein Wirtschaftsprüfer dies nur schlecht objektiv beurteilen. „In ganz wenigen Fällen mussten Transformationsprojekte heruntergefahren werden, weil es die Prüfungsrichtlinien verlangten“, sagt Depiereux.

Mittelstand schulen statt Start-ups bauen

Die Wege der beiden Gesellschaften bleiben jedoch unterschiedlich: EY hatte nur die Digitalberatung Etventure übernommen, nicht aber die von denen mit aufgebauten Start-ups wie MobileJob oder POSpulse. Dadurch war die Mitarbeiterzahl von 250 auf etwa 180 gesunken – nach eigenen Angaben ist man mittlerweile wieder bei 220 angekommen.

Innerhalb des neuen Verbunds setzt man jedoch auf klare Trennung. Etventure ist nach eigenen Angaben weiter auch in eigenständigen Projekten unterwegs. „Integration ist kein Thema“, betont Depiereux. „Aber natürlich schlagen wir immer wieder kleine Brücken, um die Stärken der jeweiligen Unternehmen zusammenzubringen.“

Bei Deloitte setzt man dagegen auf eine klare Integration der Akquisition, auch wenn das alte Team weiter in den bisherigen Büros in Berlin-Mitte sitzt. Zu Makers gehörten nur sechs Mitarbeiter, das kleine Team hatte jedoch als Frühphaseninvestor und Company Builder in der Berliner Gründerszene einige Erfolge feiern können. Die Integration, so Kolev, sei ein klarer Zugewinn für den Ventures-Bereich von Deloitte Digital. Mit dem neuen Team um Lüke sollen nun Mittelständler weiter in den Fokus rücken: „Hier wird die Digitalisierung gerade teilweile viel zu zaghaft angegangen“, sagt Kolev.