Fast eine Million Menschen haben sich im Jahr 2010 in Deutschland selbstständig gemacht – ein Drittel von ihnen, nämlich etwa 349.000, waren Frauen. Dass Frauen nicht nur seltener, sondern auch „anders gründen“ als Männer zeigt eine neue Studie der KfW Bankengruppe.

Danach…

  • gründen Frauen lieber im Nebenerwerb als Männer. Zwei Drittel aller Frauen machen sich im Nebenerwerb (66 Prozent) selbstständig – unter Männern ist es nur jeder Zweite (51 Prozent).
    Aus Sicht der KfW-Forscher liegt das an „persönlichen Präferenzen“: „Frauen übernehmen nach wie vor oft die Verantwortung für Familie und Haushalt“, meint Margarita Tchouvakhina, Abteilungsdirektorin bei der KfW Bankengruppe. „Viele Frauen schätzen daher an der Selbstständigkeit im Nebenerwerb die zeitliche Flexibilität, die es ihnen erlaubt, Beruf und Familie zu vereinbaren“. Außerdem komme eine „Nebenerwerbsgründung der geringen Risikoneigung der Frauen entgegen“ (Bei dieser Aussage berufen sich die Autoren auf dieses IZA-Papier – obwohl es durchaus auch Forscher gibt, die bei Frauen keine geringere Risikoneigung feststellen können als bei Männern).
  • gründen Frauen lieber in Branchen, in denen sich „Unternehmensstarts mit geringem Mitteleinsatz und reduziertem Zeitaufwand gut umsetzen“ lassen, so die KfW. So bieten 43 Prozent der Gründerinnen „persönliche Dienstleistungen“ an, machen also zum Beispiel Gesundheits- oder Bildungsangebote – unter den Gründern sind es dagegen nur 20 Prozent.
    Umgekehrt bieten Jungunternehmerinnen seltener „wirtschaftliche Dienstleistungen“ an – gründen also weniger Unternehmensberatungen, Architektur- oder Maklerbüros als Männer. Und: Weniger häufig gründen Frauen in den „physisch anspruchsvolleren“ Branchen Bau und Landwirtschaft, hat die KfW festgestellt.
  • starten Frauen sowohl häufiger ohne Mitgründer auch häufiger ohne Mitarbeiter. Und wenn sie doch Mitarbeiter beschäftigen, dann in der Regel weniger als Männer. Auch das, so die Forscher, dürfte an der höheren Risikoaversion liegen: „Wenn Frauen weniger optimistisch im Hinblick auf die künftige Entwicklung ihres Geschäftsumfelds und den Gründungserfolg sind, werden sie eher von vornherein auf Einstellungen verzichten.“

Allerdings zeigt die Studie auch Gemeinsamkeiten in zwei wichtigen Punkten. So…

  • sind weibliche und männliche Jungunternehmer etwa gleich innovativ: Sowohl jede als auch jeder Zehnte bringt nach eigener Einschätzung eine Neuheit auf den regionalen Markt, den er oder sie bedient.
  • überleben Startups von Frauen genauso lange wie vergleichbare Startups von Männern. Zwar geben Frauen insgesamt ihre Gründungsprojekte schneller wieder auf – was aber nicht geschlechtsspezifisch ist, sondern vor allem daran liegt, dass ihre Projekte insgesamt kleiner sind.

Frauen gründen also offenbar anders als Männer, aber nicht weniger erfolgreich. Noch gründen sie seltener – auch, weil sie mehr Angst vor dem Scheitern haben, wie der aktuelle Deutschland-Bericht des Global Entrepreneurship Monitors zeigt. Aber das ändert sich: Laut dem kürzlich erschienenen DIHK-Gründerreport 2011 ist der Anteil der Gründungsinteressentinnen von 32 Prozent im Jahr 2004 auf 40 Prozent im Jahr 2010 gestiegen – ein „Rekordhoch“.

Lesetipp:

  • „Frausein zahlt sich aus“: Die Unternehmerin Julia Derndinger erklärt, was die Gesellschaft braucht, um mehr Frauen zu Gründerinnen zu machen.