Auch Tim Gemkow, Leiter des Referats Geld und Währung vom DIHK, sagt, dass Ausländer extrem wichtig für das Land sind. „Deutschland mangelt es an Gründern. Das Gründungsinteresse geht deutlich zurück, zudem haben wir – unter anderem durch den demografischen Wandel – zu wenig Nachfolger“, so Gemkow. Flüchtlinge und Migranten seien demnach ein großer Gewinn für das Land: „Wir erhalten eine große Rückmeldung zur Gründungsbereitschaft.“

Die Motivation der Menschen, die mit wenig nach Deutschland kommen und ein Unternehmen gründen, ist hoch. „Zum einen ist Selbständigkeit in vielen Länder weiter verbreitet als in Deutschland“, erklärt Gemkow. Denn viele der Flüchtlinge seien schon in ihrer Heimat erfolgreiche Unternehmer gewesen. „Da ist es das Natürlichste, die Arbeit hier fortzuführen.“ Ein weiterer Grund für die hohe Motivation: „Außerdem ist die Selbstständigkeit ein guter Weg, um seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Oft können Qualifikationen aus dem Ausland nicht nachgewiesen oder anerkannt werden, in der Selbstständigkeit allerdings wird nicht nach formalen Qualifikationen bewertet, sondern nur nach der Leistung am Markt“, so der DIHK-Experte.

„Kulturelle Hürden spielen kaum eine Rolle“

Auch für die 46-jährige Hiba Albassir und ihren Mann war die Selbstständigkeit nicht neu: In Syrien waren die beiden bereits als Unternehmer tätig und führten dort sowohl einen Großhandel für Kleiderbügel als auch eine Gartenmöbelfirma. Mit ihrer Erfahrung in letzterem Bereich versuchten sie auch in Deutschland den Neuanfang: „Khashabna“, übersetzt bedeutet das „Unser Holz“, heißt das neue Unternehmen der Albassirs. Die Waren stammen noch aus ihrem Gartenmöbelhandel in Syrien. Die Möbelstücke werden nun erst einmal verkauft, sie reichen voraussichtlich bis Oktober – dann muss sich das Duo ein neues Geschäftsmodell überlegen.

Nach Gemkow unterscheiden sich die Herausforderungen inländischer und ausländischer Gründer dabei kaum. „In vielen Bereichen gibt es keine großen Unterschiede bei der Gründung. Kulturelle Hürden spielen laut unseren Gründungsberatern eine geringe Rolle. Es gibt eine hohe Bereitschaft sich zu integrieren.“

Bei den Albassirs sehen die Voraussetzungen für ein Leben in Deutschland allerdings ganz unterschiedlich aus. Hiba Abassir bildete sich 1992 für eine kurze Zeit mit einem Studium in Deutschland weiter. Dort hatte sie die Möglichkeit, Land, Leute und vor allem die Sprache kennenzulernen. Sie konnte viele Kontakte knüpfen, die ihr jetzt weiterhelfen. Bei ihrem Mann war das anders aus: Für den 45-jähirgen ist die Situation neu, er hat keine Sprachkenntnisse, besucht dafür momentan einen Integrationskurs und steht in der Mitte seinen Lebens an einem erneuten Nullpunkt – seine Schreinerausbildung wird hier nicht anerkannt.