Es gibt zwei verschiedene Typen von Start-ups. Die Experten von Point Nine erklären, wie sie sich unterscheiden und was das für die Internationalisierungsstrategie bedeutet.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Einmal im Monat schreiben Pawel Chudzinski, Christoph Janz und Nicolas Wittenborn vom Wagniskapitalgeber Point Nine Capital, was Investoren bewegt. Point Nine hat unter anderem in Mister Spex, Kreditech oder Helpling investiert.

Von Pawel Chudzinski

Wie können Start-ups am besten internationalisieren? Diese Frage beschäftigt uns oft bei Point Nine. Da wir europaweit aktiv sind und es schwer ist, ein wirklich großes Unternehmen in nur einem europäischen Land aufzubauen, betreffen die Herausforderungen der Internationalisierung irgendwann die meisten unserer Beteiligungen.

Dabei gibt es zwei Typen von Start-ups: globale und lokale/multi-lokale Start-ups. Es ist sehr wichtig für Gründer, zu verstehen in welche Kategorie ihr Unternehmen fällt, denn davon hängt entscheidend ab, wie der Internationalisierungsprozess verläuft.

Worauf globale Start-ups achten müssen

Globale Start-ups richten sich vom ersten Tag an eine internationale Kundschaft. Sie starten typischerweise mit einem englischen Produkt, später folgen gegebenenfalls lokalisierte Versionen. Viele unserer Software-as-a-Service (SaaS) Unternehmen sind globale Start-ups – auch wenn sie in Europa sitzen, beispielsweise Contentfulinfogr.am oder Algolia.

Die Definition eines globalen Start-ups zu erfüllen hat folgende Konsequenzen:

    • Internationalisieren ist theoretisch „einfach“, denn Du verkaufst von Beginn an auf einem internationalen Markt
    • Früher oder später wirst Du starke direkte Wettbewerber bekommen, also kümmere Dich um Deine Finanzierung und agiere schnell. Wenn die Geschäftsidee bedeutend und global ist, wird auch jemand anderes darauf stoßen und versuchen daraus Profit zu schlagen
    • Besonders bei Software musst Du als globales Start-up im US-Markt stark sein, dem größten Software-Markt der Welt. Wenn Du in den USA verlierst, wird es auch außerhalb der Staaten schwer für Dich
    • Als erstes musst Du daher Produkt, Verkauf und Marketing Deiner englischen Version hinbekommen. Lokale Sprachversionen oder lokaler Vertrieb könnten in einem späteren Stadium notwendig sein, um zu skalieren, aber nicht für den ersten großen Schritt
    • Letztlich endet die Reise Deines Start-ups auf zwei Arten: entweder Du erschaffst ein sehr bedeutendes Unternehmen oder Du wirst vom Wettbewerb zerstört oder an anderen Problemen zugrunde gehen