Im vierten Teil des Gründertagebuchs berichtet Neumacher-Siegerin Anna Rojahn, wie man Kunden gewinnt und wie sie die Schattenseiten des Start-up-Lebens erlebt.

Das Start-up Fast Forward Imaging hat eine Technologie entwickelt, mit der  Gegenstände vor verschiedenfarbigen Hintergründen fotografiert werden. Kurz darauf erscheint ein Bild des Produkts, das sich per Klick um die eigene Achse drehen und vor verschiedene Hintergründe ziehen lässt – besonders für Online-Shops ist das interessant.

Mit der Idee überzeugt Gründerin Anna Rojahn Kunden, Investoren und die Jury des WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerbs Neumacher, den sie im Herbst 2014 gwann. Hier berichtet Rojahn, wie sich ihr Start-up entwickelt.

5. März 2015

Weil Kristin, unsere neue Vertriebsmitarbeiterin, erst mal unsere Technologie kennenlernen muss, fotografiert sie für einen Berliner Online-Händler 250 Handtaschen im 360-Grad-Modus. Obwohl sie keinerlei fotografische Vorbildung hat, muss sie gerade mal zehn Produkte ein zweites Mal aufnehmen. Der Kunde ist mit dem Ergebnis zufrieden – und wir sind auch happy!

6. März

Wir haben Kundenbesuch in unserem Studio: Das Produktionsteam eines Online-Schuhhändlers testet unsere Technologie. Offenbar erfüllen wir seine Erwartungen, am Ende kommt der Handschlag: Der Kunde möchte so schnell wie möglich eines unserer Geräte haben. Er hat es so eilig, dass er gleich das Vorführgerät übernehmen möchte – für uns natürlich kein Problem.

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13. März

Heute bin ich zu Besuch in Zufikon, einem Örtchen gut 20 Kilometer westlich von Zürich. Unser Kunde, das Unternehmen Bianchi, beliefert die Schweizer Hotellerie und Gastronomie mit frischem Fisch. Für den Start ihrer neuen Web-Site und der Möglichkeit für Großkunden, Fisch online zu ordern, fotografiert das Unternehmen seit einem Jahr Frischfisch in unseren Fotoboxen. Eine Tour durchs Unternehmen wäre sicher nichts für Veganer – mir allerdings läuft bei jedem Schritt das Wasser im Mund zusammen!

26. März

Heute erwartet mich ein brutales Programm: Morgens steht ein Meeting mit dem Existenzgründerzentrum der Berliner Volksbank an, danach ein spontaner Pitch vor Wagniskapitalgebern aus London. Im Anschluss daran habe ich noch einen Termin mit einem potenziellen Kooperationspartner auf einer Messe für 3-D-Druck. Und zum Dinner treffe ich schließlich noch einmal die potenziellen Investoren aus London. Danach fühle ich mich wie halb tot, falle aber zufrieden ins Bett.

27. März

Bei Hardware.co, einem mittlerweile internationalen Netzwerk aus Berlin, in dem sich große und kleine Unternehmen, Investoren und Experten über die Entwicklung von Hardware austauschen, berichte ich von meinem Aufenthalt in Hongkong im vergangenen November. Viele junge Hardware-Start-ups stellen sich die Frage, ob sie ihre Produkte in China produzieren und in Asien verkaufen sollten. Meine Devise: Think big, nicht nur beim Marketing! Der globale Markt eröffnet gerade Start-ups völlig neue Möglichkeiten – man muss nur selbst bereit sein, sich dafür zu öffnen.

29. März

Eine der Schattenseiten meines Gründerlebens: Sonntage, die ich zurzeit häufig im Büro verbringe. Vor allem, wenn ich mich mit der Weiterentwicklung unserer Technologie oder komplexen Verträgen beschäftige, ziehe ich notgedrungen das Wochenende vor, weil dann das Telefon nicht klingelt. Auf Dauer kostet das Kraft – ein Urlaub ist aber erst einmal nicht in Sicht.

31. März

Heute liefern wir den ersten Prototyp des Minime für den Testbetrieb an unsere Partneragentur eShot aus. Sie wollen das Gerät im täglichen Betrieb prüfen. Minime ist das erste Gerät seiner Art, ein Novum für die Fotoindustrie, das wir speziell entwickelt haben für die Fotografie von Accessoires und Legeware – also Modeartikel, die fürs Fotografieren auf den Boden oder auf Fotoplatten drapiert werden. Wir sind gespannt auf das Feedback, das in die gemeinsame Weiterentwicklung unserer Technologie einfließen wird.

2. April

Gestern hat Felix die Auslieferung unseres Vorführgeräts an unseren neuen Berliner Kunden koordiniert. Heute bin ich selbst vor Ort, um die Kalibrierung des Geräts vorzunehmen und gemeinsam mit dem Kunden Standardeinstellungen für die unterschiedlichen Produktkategorien zu definieren. Nach Ostern folgt dann die Mitarbeiterschulung, und der Kunde kann das Gerät in Betrieb nehmen – als Erstes steht ein Shooting von 700 Paar Schuhen an.

Alle Folgen des Gründertagebuchs finden Sie hier.

Für die nächste Runde des Gründerwettbewerbs Neumacher können Sie sich hier bewerben.