Wer seine Promotion erfolgreich meistert, dem winkt häufig eine Forschungsstelle. Nur wenige wagen dann noch den Sprung und gründen ein eigenes Unternehmen.

„Das wird der erste Doktor, der mit dem Maßband sein Geld verdient“, stellte ein Doktorvater in Münster seinen Promotionsstudenten kurz vorm Abschluss vor. Der hatte gemeinsam mit einem Promotionskollegen und einem Diplomand eine ungewöhnliche Idee: Sie wollten ein Unternehmen für Maßbekleidung gründen, konnten anfangs aber weder Banken noch Branchenkenner überzeugen. Die drei jungen Männer machten es trotzdem. Heute, rund 15 Jahre später, ist Cove & Co mit rund hundert Mitarbeitern, elf Ateliers deutschlandweit und einem Jahresumsatz von 10 Millionen Euro.erfolgreich gut im Geschäft.

Der Erfolg spricht für sich, aber warum satteln immer mehr Promovierte um und wagen das unternehmerische Risiko? Ein Blick auf Doktoren, die heute für erfolgreiche Gründungen stehen, zeichnet ein klares Bild: der Drang nach etwas Neuem und Eigenen.

Akademiker haben eine deutlich höhere Gründungsneigung, heißt es im aktuellen KfW-Gründungsmonitor. Aber es sind nur fünf Prozent aller Gründer mit Hochschulabschluss, die ihr Projekt aus einer Anstellung als Professor, wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Angestellter einer Hochschule oder eines Instituts starten würden.

„Bei mir reifte schon früh der Wunsch nach Selbstständigkeit“, beschreibt es Ebbo Tücking, Mitgründer von Cove & Co. Nachdem er BWL und VWL in Bamberg und Münster studiert hatte, wurde Ebbo Tücking 1995 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Zwei Jahre später bekam er eine Forschungsstelle für Textilwirtschaft und untersuchte dort das Thema „Maßbekleidung gefertigt in Deutschland“. Das Ergebnis der Studie: In Deutschland gibt es kaum noch Maßbekleidung, aber das Interesse ist groß. Damit war die Idee zum eigenen Geschäft geboren und wurde mit Cove & Co bald darauf auch Realität. Tücking und seine Mitstreiter Ulrich Hesse und Christian Tietz konnten so „im Studium erworbenes Wissen auf eine spannende und hochemotionale Branche anwenden“.