Scheitert das Start-up, macht es grundsätzlich erst einmal keinen relevanten Unterschied, wie es finanziert wurde. Alle Investorentypen – ob Crowd, Business Angels (BA) oder Venture Capital (VC) – gehen in diesem Fall leer aus. Das Maximalrisiko besteht für den Crowdinvestor im Totalverlust seines Investments. Der Investor trägt daher das unternehmerische Risiko des Start-ups in Höhe seines Investments“, sagt Christian Krösch, Betriebswirt und Rechtsanwalt spezialisiert auf die Bereiche Start-ups und Crowdfunding.

Manche Anleger hoffen noch, den Verlust zumindest steuerlich geltend zu machen. Der Insolvenzverwalter kann eine entsprechende Erklärung ausstellen, Oliver Beste hatte auf eine entsprechende Möglichkeit hingewiesen. Doch ob sie damit durchkommen ist fraglich, denn die Investments sind partiarischen Nachrangdarlehen. Auf der Seedmatch-Seite heißt es: „Partiarische Darlehen sehen keine Beteiligung an den Verlusten aus der operativen Tätigkeit des Start-ups vor, so dass auch eine steuerliche Geltendmachung von laufenden Verlusten des Start-ups beim Investor nicht möglich ist. Ähnlich verhält es sich bei dem möglichen (Teil-)Verlust des Darlehensrückzahlungsanspruches aufgrund von Liquidation oder Insolvenz des Start-ups.“

Viele Investoren haben das Risiko jedoch einkalkuliert. Wer aber über Crowdinvesting Geld verteilt, der kennt in der Regel das Risiko, sagen die Experten. So machte Hanno Kortleben, Berater bei der der EFNW GmbH, einem Institut der Universität Oldenburg, 2013 unter Seedmatch-Investoren eine Umfrage zur Risikobewertung – mit entsprechendem Ergebnis: „Wir haben ganz klar festgestellt, dass die überwältigende Mehrheit, also knapp 92 Prozent, sich bewusst sind, dass sie dort ein gesteigertes Risiko eingehen.“ Den Schwarmfinanzierern sei klar, dass mit der Rendite eben auch das Risiko steige.

„Es gibt keine Renditechance ohne Risiko“, sagt auch Tamo Zwinge, Geschäftsführer der Crowdinvesting-Plattform Companisto. „Das ist Risikokapital und das ist den Leuten auch bewusst, weil sie auf den Plattformen auch eindeutig darauf hingewiesen werden.“ In der Regel würden die Investoren ihr Geld in verschiedene Projekte stecken und in Kauf nehmen, dass ein Projekt auch einmal scheitern und ein Investment ausfallen kann. „Es ist ein ganz natürlicher Prozess und das muss jeder als Möglichkeit miteinberechnen. Deshalb ermutigen auch wir die Leute immer dazu möglichst breit zu streuen.“

Laut dem EFNW sind es vor allem zwei Gründe, warum Crowdinvestoren ihr Geld in ein Start-up investieren: Spaß und Engagement – sei es weil einem die Idee gefällt oder die Gründer Freunde oder Familie sind – und natürlich die vergleichsweise hohe Renditechancen. Dabei träumen sie jedoch nicht vom großen Reichtum: 70 Prozent schätzen ihre erzielbare Rendite auf höchstens ein Fünftel. Das ist übrigens vergleichbar mit den Erwartungen von Business Angels: Auch sie schätzen ihre mögliche Rendite auf durchschnittlich 20 bis 40 Prozent.