Eine besondere Form der Asche-Bestattung hat sich der Schweizer Rinaldo Willy vor gut zehn Jahren ausgedacht. Als der damals 23-Jährige las, dass ein russischer Wissenschaftler aus Asche Diamanten gezüchtet habe, dachte er direkt an menschliche Asche. „Wie sich herausstellte, hatte der Russe nur mit verbrannten Pflanzenstoffen gearbeitet, aber für mich war die Idee geboren“, erzählt Willy. Zusammen mit einem Hochschullehrer und befreundeten Naturwissenschaftlern entwickelte er ein Verfahren, mit dem sich durch hohen Druck und hohe Temperaturen menschliche Asche in einen Diamanten umwandeln lässt. Eine Witwe zum Beispiel kann so ihren verstorbenen Ehemann als Ring am Finger tragen.

Das Unternehmen von Ronaldo Willy heißt Algordanza, rätoromanisch für Erinnerung. Algordanza ist nach eigenen Angaben inzwischen in 30 Ländern tätig. „In Asien gibt es momentan besonders viele Interessenten“, erzählt Willy. Schwerpunkt sei aber noch die DACH-Region. Für Kunden aus Deutschland ist die Prozedur aufgrund des hiesigen Friedhofs- und Bestattungszwang etwas aufwändig. Algordanza kann nicht direkt in Deutschland arbeiten; der Leichnam muss den Weg über die Schweiz gehen. Dort wird er verbrannt und umgewandelt und anschließend wieder zurückgebracht. Meist wird nur ein Teil der Asche für den Diamanten benutzt, der Rest wird beigesetzt. Ob eigentlich auch der Diamant beigesetzt werden muss, ist rechtlich strittig. Aber anders als bei Asche in Urnen wird meist geduldet, dass die Hinterbliebenen ihn behalten.

Mobile Patientenverfügungs-Beratung

Voraussetzung für die Diamanten-Umwandlung ist, dass der Verstorbene sie gewünscht hat. Wie im Fall von Goodbye Friends-Gründer Reiser und dessen Vater haben aber viele Menschen nicht bei Zeiten festgelegt, welche Bestattung sie wünschen oder welche Behandlungen sie möchten, wenn sie zum Beispiel im Koma liegen oder dement werden. Dabei ist das durchaus möglich.

„Mit einer Patientenverfügung kann man vorab festlegen, welche medizinischen Behandlungen Ärzte vornehmen sollen und welche sie unterlassen sollen“, erläutert Juliette Descharmes. Sie ist Rechtsanwältin und hat direkt nach dem Studium mit ihrem Studienkollegen Dominik Güneri eine Kanzlei gegründet und kurz darauf Pegasus initiiert: eine mobile Rechtsberatung für Patientenverfügungen, Vorsorgevollmachten und Testamente. Mit einem umgebauten UPS-Kleinbus fährt Descharmes zu Senioreneinrichtungen, Krankenhäusern und einzelnen Personen nach Hause. Auch auf Marktplätzen und Straßenfesten im Stuttgarter Raum stellt sie sich auf, um Menschen auf die Wichtigkeit des Themas aufmerksam zu machen und zu beraten.