Noch zu Lebzeiten Columba beauftragen geht allerdings nicht. Wer selbst bestimmen möchte, was mit seinem digitalen Nachlass geschehen soll, kann dies per Testament tun oder er ist bei Unternehmen wie „Digitale Bestattung“ richtig. Hier trägt man selbst die Online-Accounts ein, die nach dem eigenen Tod gelöst werden sollen. Die Passwörter müssen nicht verraten werden. Verstirbt man, legen Angehörige die Sterbeurkunde vor und die Wünsche des Verstobenen werden erfüllt.

„Pastorin“ für Nicht-Gläubige

Möglichkeiten für Gründer gibt es selbstverständlich nicht nur in der digitalen Welt. Helene Düperthal zum Beispiel begleitet Trauernde auf „altmodische“ Weise persönlich – und doch neu. Die 55-Jährige ist Trauerrednerin. Sie übernimmt die Rolle, die bei Kirchenmitgliedern der Pastor oder die Pastorin innehat: Eine Trauerfeier vor der Beisetzung abhalten, die Trauerprozession zum Grab begleiten. „Ich bin zwar studierte Theologin und Christin, stülpe aber niemanden etwas über“, erläutert Düperthal. Sie begleite Menschen jeglicher Konfession, mit und ohne religiösen Hintergrund, individuell unterschiedlich.

Da inzwischen viele Menschen keiner Kirche angehören, aber sie weiterhin Bestattungsrituale wünschen, sind Trauerredner seit einigen Jahren eine gefragte Berufsgruppe. Im Bundesverband sind gut sechs Dutzend Trauerredner registriert. Es dürfte noch weit mehr geben. „Man sollte es aber nicht nur als einen Job ansehen“, meint Düperthal. Sie selbst beschäftige sich mit dem Thema Sterben, Tod und Trauer bereits seit ihrer Jugend. Hospizdienst, Trauerbegleitung und schließlich immer häufiger Anfragen, eine Abschiedsfeier zu gestalten, führten sie vor gut fünf Jahren in die Selbständigkeit. „Ich bin ganz klassisch gestartet, mit Existenzgründerseminar, Business Plan und allem was dazugehört.“

Düperthal bietet neben Trauerfeiern auch Trauerbegleitung an. „Vor allem bei plötzlichen Todesfällen wie Suizid brauchen die Hinterbliebenen fachkundige Hilfe“, meint die Theologin. Trauerbegleitung für Erwachsene und Kinder ist wie Trauerreden ein kleiner Mode-Trend bei Gründern. Dem Berufsverband der Trauerbegleiter gehören über 100 Mitglieder an.

Den Verstorbenen zum Schmuckstück machen

Trauerrednerin Düperthal wird besonders oft für Waldbestattungen gebucht. Sogenannte Naturbestattungen – etwa in biologisch abbaubaren Urnen in einem Friedwald – werden immer beliebter. Mehr als die Hälfte aller Toten in Deutschland wird nicht mehr im Sarg beerdigt, sondern eingeäschert. Der Grund für den Wandel von Erd- zu Feuerbestattung ist nicht nur, dass Urnenbestattungen günstiger sind, sondern auch dass für fast alle außergewöhnlichen und individuellen Bestattungen die Einäscherung nötig ist.