Online Identity Management für Verstorbene

Während die virtuellen Friedhöfe ein soziales Profil für nach dem Tod erstellen, beschäftigen sich andere Unternehmensgründer mit dem Gegenteil: dem Löschen der Onlineprofile von Verstorbenen. Facebook-Profil, YouTube-Kanal, Clouds, Dating-Portale – was geschieht mit ihnen? Auch um digitale Verträge wie Online-Abos muss sich jemand kümmern.

Oliver Eiler (34) ist Gründer und CEO von Columba. Columba recherchiert im Auftrag von Hinterbliebenen bei sozialen Netzwerken und Internet-Portalen nach Profilen und Verträgen des Verstorbenen. Die Profile und Verträge werden gelöscht oder auf den Erben umgeschrieben. Facebook-Profile können auch in einen Gedenkstatus versetzt werden. Eventuelle Guthaben erhalten die Erben ausgezahlt. Etwa 200 Internetunternehmen von Ebay und Flickr bis Xing und Zalando fragt Columba im Auftrag der Hinterbliebenen an.

Die Idee zum sogenannten Online Identity Management für Verstorbene kam Eiler vor zwei Jahren: „Noch ein Jahr nach dem Tod eines Freundes erhielt ich von Xing eine Geburtstagserinnerung mit der Bitte, dem Freund zu gratulieren und ihm Geschenk zu schicken“, erzählt Eiler. „Das empfand ich als sehr pietätlos.“ Zudem hätten die Erben ohne sich dessen bewusst zu sein immer noch monatlich knapp zehn Euro für den Account bezahlt. Niemand wusste wie sich das Profil löschen ließe. Also gründeten Oliver Eiler und sein Bruder Christopher Columba.

Auch Bestatter profitieren

Columba arbeitet ausschließlich B2B: Hinterbliebene kaufen die Dienstleistung in Form eines „Onlineschutzpaktes“ beim Bestatter, die Bestatter geben die Recherche wiederum bei Columba im Auftrag. „Der Weg über den Bestatter garantiert, dass die Sterbeurkunde echt ist und kein Betrug betrieben wird“, erläutert Eiler. Zudem seien die Bestatter viel besser im Umgang mit Trauenden geübt; Columbas Stärke hingegen sei die IT. Die Bestatter profitieren vom Geschäft, indem sie das Schutzpaket zu einem festen Preis kaufen, aber selbst festlegen, zu welchem Preis sie es verkaufen möchten. Die Preisempfehlung liegt bei 49 Euro.

Das Geschäftskonzept von Columba scheint aufgegangen zu sein: Im Oktober 2013 wurde das Start-up mit drei Mitarbeitern gegründet, heute sind es über 30. Alleine 2014 verkaufte das Unternehmen rund 2.800 Onlineschutzpakete. Für dieses Jahr ist laut Eiler der Markteintritt in Österreich und der Schweiz sowie in Frankreich und England geplant.