In Berlin werden immer weniger Patente angemeldet. Erfinderisch ist  man in der Hauptstadt trotzdem.

Ernst Litfaß revolutionierte mit seiner  weltberühmten Säule die Werbung, und Konrad Zuse setzte den ersten funktionsfähigen Computer Z3 zusammen: Berlin war schon immer eine Stadt der Erfinder. Die Zahl der angemeldeten Patente ist in der Hauptstadt aber rückläufig: 1995 wurden nach Angaben des Deutschen
Patent- und Markenamtes in München noch über 1340 Erfindungen zum Schutz angemeldet. 2014 waren es nur noch knapp 870. Im Bundesländerranking steht Berlin damit an achter Stelle.

Trotzdem seien die Bedingungen für Erfinder in der Hauptstadt gut,  sagt Marijan Jordan, der mit einer Beratungsfirma in Berlin Erfinder unterstützt und Mitbegründer des Erfinderladens in Prenzlauer Berg  ist. «Oft merkt man das nicht, weil heutzutage junge Kreative vielleicht eine erfolgreiche App auf den Markt bringen, statt wie vor  100 Jahren eine Maschine. Nichtsdestotrotz ist der Vorgang im Hintergrund sehr ähnlich.»

Die vielen Hochschulen und internationale Fachkräfte begünstigten Innovationen. «Der Berlin-Faktor ist auf jeden Fall der, dass man für  jeden Job jemanden findet, der ihn erledigt. In der frühen Phase braucht man oft nicht die perfekte, sondern eine günstige Lösung.  Internationale junge Menschen mit unterschiedlichsten Fähigkeiten decken hier fast alles ab», sagt Jordan. Zudem sei für den ersten  Praxistest einer Erfindung genügend Testpublikum da: Auf den
zahlreichen Märkten der Hauptstadt könne man sich schnell ein Feedback holen.

Berliner Erfindungen kommen nach Angaben der Senatsverwaltung für  Wirtschaft und Technologie meist aus den Bereichen Energietechnik, Gesundheitswirtschaft, Informations- und Kommunikationstechnologie, Medien und Kreativwirtschaft. Ein anderer enorm wichtiger Bereich ist
laut Behörde die Digitalwirtschaft. Damit ist Berlin vom Erfindungsvolumen her den USA ähnlicher als dem Rest der Republik, der von Entwicklungen im Maschinenbau dominiert wird – zu dem  Ergebnis kommt jedenfalls eine Studie der Technologiestiftung Berlin von 2014.