Während des Poststreiks sah sich das Kölner Start-up Studimed in seiner Existenz bedroht – und klagte auf Herausgabe. Wie es weiter ging.

Als die Post im Sommer unbefristet streikte, erhielt auch Hendrik Loll, Gründer und Geschäftsführer von Studimed über Wochen keine Post mehr. Das war nicht nur ärgerlich, sondern auch geschäftsbedrohend Lolls Agentur vermittelt Studienplätze für Human-, Zahn- oder Tiermedizin in Osteuropa und hilft bei der Wohnungssuche oder auch bei der Eröffnung eines Kontos im Ausland. Damals waren Bewerbungsfristen von zwei Universitäten einzuhalten, und das Start-up auf eine zuverlässige Post angewiesen. Doch die liefert wichtige Anträge und Bewerbungsunterlagen aufgrund des unbegrenzten Streiks nicht mehr rechtzeitig aus.

Loll zog vor Gericht und wollte per einstweiliger Verfügung die Herausgabe liegengebliebener Postsendungen erzwingen. Im Eilantrag, der WirtschaftsWoche Gründer damals vorlag, heißt es: „Ich habe großen Respekt vor dem Grundrecht auf Arbeitskampf. Nur wird die Sache nun unmittelbar wirtschaftlich problematisch und droht, existenzgefährdende Dimensionen zu erhalten.“

Das Gerichtsverfahren haben Loll und sein Team damals verloren „und die Verzögerung des Posteingangs hat uns erheblich belastet“, sagt der Gründer. „Anfang Juli war ja dann der Poststreik zu Ende, und ab da haben wir auch nach und nach die alte Post erhalten. Wir mussten noch eine zusätzliche Kraft beschäftigen, um die Rückstände aufzuarbeiten“, sagt er. Aber er glaube nicht, dass Kunden verloren gegangen sind. „Das liegt auch daran, dass wir einen Mitarbeiter entsandt haben, um mit allen wichtigen Universitäten persönlich zu sprechen, um eine Verlängerung für die Bewerbungsfristen zu erlangen, wo das notwendig war.“

Der Einsatz ist nötig, denn Studimed vermittelt erfolgsabhängig: Bei einer Vermittlung werden zwischen 8.000 und 18.000 Euro fällig – abhängig von Aufwand und der Universität, an der ein Studienplatz gefunden werden soll. „Wir haben 2015 ingesamt 200 Vermittlungen hinbekommen“, sagt Hendrik Loll. 2016 will er das Angebot deshalb noch weiter verbessern und noch mehr Kunden erreichen. „Wir streben dann einen Jahresumsatz von 2,5 Millionen Euro an.“

Und Loll bekommt auch so vom Gründen nicht genug: Bereits als Jugendlicher baute er sein erstes Unternehmen auf – nicht ohne Hindernisse. Damals kaufte der Kölner Schüler großen Unternehmen Computerzubehör ab, das diese nicht mehr benötigten und verkaufte die Teile weiter – ohne eine Genehmigung zu haben. Ein Mitbewerber verpfiff ihn vor Gericht, Loll und seine Mutter bekamen eine Abmahnung wegen Verschleierung einer gewerblichen Tätigkeit, mussten 2500 Euro Strafe zahlen – die Kosten teilten sich Mutter und Sohn.

Mittlerweile läuft es deutlich besser: So ist er nicht nur Inhaber von Studimed, sondern hat weitere Firmen gegründet, darunter eine Altenpflegevermittlung. 2016 will er ein weiteres Unternehmen aufbauen. Eine neue Mitarbeitern hat er dazu auch schon eingestellt.