Wagniskapitalgeber Christoph Janz erklärt, warum Geldgeber so fixiert auf Pitch Decks sind und worauf Gründer bei der Investoren-Präsentation achten sollten.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Einmal im Monat schreiben Pawel Chudzinski, Christoph Janz und Nicolas Wittenborn vom Wagniskapitalgeber Point Nine Capital, was Investoren bewegt. Point Nine hat unter anderem in Mister Spex, Kreditech oder Helpling investiert.

Von Christoph Janz

Die meisten Gründer, die uns in Hinblick auf ein Investment kontaktieren, schicken uns gleich eine Investoren-Präsentation, auch “Pitch Deck” genannt. Es kommt aber auch immer wieder vor, dass Gründer erst einmal ein Gespräch oder ein Meeting vereinbaren möchten, bevor sie uns Material zusenden. In diesen Fällen frage ich die Gründer meist, ob sie uns nicht zuerst ein Deck schicken könnten, um dann gegebenenfalls als zweiten Schritt ein Telefonat oder ein Treffen zu vereinbaren.

Ich fühle mich dabei aber jedes Mal etwas unwohl, da ich nicht unhöflich, arrogant oder unnahbar wirken möchte. In diesem Beitrag möchte ich daher ein paar Einblicke in unsere Arbeit geben, die verständlich machen sollen, warum wir immer erst nach einem Pitch Deck fragen.

Ich verstehe es gut, wenn Gründer uns persönlich ihre Geschichte und Vision präsentieren wollen, statt uns nur ein paar Folien zu schicken. Schließlich ist ein Startup das “Baby” der Gründer,und es ist nachvollziehbar, dass sie den bestmöglichen ersten Eindruck hinterlassen möchten. Ich habe auch Verständnis dafür, dass Gründer uns erst einmal kennenlernen möchten, bevor sie uns vertrauliche Informationen schicken. Außerdem sind die meisten Gründer sehr smarte Leute, mit denen ich mich eigentlich sehr gern unterhalte.

Aus all diesen Gründen würde ich mir wünschen, wir könnten mit allen Gründern sprechen, die uns kontaktieren. Das ist aber schlichtweg nicht möglich. In den vergangenen drei Monaten haben wir uns 947 potenzielle Investments angesehen (die genaue Zahl kennen wir, weil jeder “Deal” in unserem Zendesk erfasst wird). Auch mit drei Principals und einer Praktikantin können wir nicht mit all diesen Start-ups sprechen. Wenn wir es täten, hätten wir nicht genug Zeit, um bei einzelnen Unternehmen und Sektoren tief einzusteigen, uns um unsere Portfolio-Unternehmen zu kümmern und für viele andere Dinge, die in unserem Geschäft wichtig sind.

Deswegen ist ein Pitch Deck als erster Filter so wichtig für uns. Wenn wir uns ein Deck ansehen, reichen in der Regel wenige Minuten, um zu entscheiden, ob wir mehr über das Start-up wissen möchten. Es gibt zahlreiche Gründe, weshalb ein Unternehmen nicht zu uns passt (und Point Nine nicht der passende Partner für das Unternehmen ist): Es kann vom Stadium zu “early-stage” oder zu “late-stage” sein. Es kann in einem Sektor aktiv sein, den wir uns bereits angeschaut haben und nicht spannend finden oder nicht verstehen. Oder es kann sein, dass das Start-up mit einem bestehenden Portfolio-Unternehmen von uns konkurriert.

Wenn wir uns nach dem Blick auf das Deck gegen weitere Gespräche entscheiden, muss dies daher nichts über die Qualität des Start-ups aussagen. Oft bedeutet es nur, dass sich das Unternehmen nicht in unserem Investitionsfokus befindet.

Natürlich ist unser Prozess nicht perfekt. Dadurch, dass wir nicht jeden Gründer persönlich treffen, werden uns großartige Unternehmen durch die Lappen gehen (was dazu führen wird, dass unser Anti-Portfolio wachsen wird). Aber das gilt auch für jeden anderen Ansatz.

Abschließend noch einige Anmerkungen und Tipps:

  • Ich weiß, dass es den meisten VCs genauso geht wie uns. Wenn Ihr Kapital aufnehmen möchtet, lohnt es sich daher, Zeit in ein gutes Pitch Deck zu investieren. Ich denke auch, dass das Erstellen eines Decks eine gute Übung ist, da es dabei hilft, jeden Bereich Eures Geschäfts systematisch zu durchdenken.
  • Michael Wolfe hat einen schönen Beitrag darüber geschrieben, was in ein Pitch Deck gehört
  •  Frag nicht nach NDAs
  • Schickt Euer Pitch Deck nicht an dutzende VCs. Findet heraus, welche fünf bis zehn VCs am besten zu Euch passen und beginnt mit diesen.
  • Ihr musst nicht alles in Euer „Teaser“-Deck unterbringen. Ich würde empfehlen, einige Kennzahlen im Deck zu nennen, denn KPIs sind entscheidend für Investoren, um zu entscheiden, ob Ihr Euch im richtigen Stadium befindet. Aber es ist völlig in Ordnung, sensible Informationen, wie beispielsweise Details zu Eurer Product Roadmap erst einmal wegzulassen.