Konkurrenz belebt nicht nur das Geschäft, manchmal sichert es gar dessen Überleben. So wie im Falle der deutschen Traditionsbanken.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer:  Heute ist wieder Julian Heck dran. Er ist Journalist und auf medienjournalistische und digitale Themen spezialisiert und wird künftig die boomende Fintech-Branche beleuchten.

FinTechs machen sich seit einigen Jahren verstärkt auf deren Gebiet breit. Einige von ihnen haben sich dem Banking verschrieben (zum Beispiel Number26), andere dem Payment (etwa SumUp oder Barzahlen) und wieder andere der Geld- beziehungsweise Vermögensanlage (beispielsweise Easyfolio oder Whitebox).

Banken haben dem Treiben eine ganze Zeit lang ziemlich tatenlos zugesehen. Einige sind inzwischen erwacht und setzen auf Kooperation statt Konkurrenz oder haben Strukturen geschaffen, um selbst erfolgversprechende FinTech-Start-ups großzuziehen.

Die Commerzbank zum Beispiel investiert mit dem Main Incubator in mehrere FinTech-Start-ups. Auch die Deutsche Bank fährt die Aktivitäten in diesem Bereich hoch, aktuell etwa mit der Digital Factory in Frankfurt, wo auch FinTech- und InsurTech-Start-ups Ideen entwickeln und umsetzen sollen.

Das sind Schritte in die richtige Richtung. Gemeinsam sind Traditionshäuser und Start-ups stark. Sie können sich gut ergänzen – digitale Innovation trifft auf Erfahrung und ein großes Vertriebsnetz.

Beim Thema Vermögensanlage sieht das oftmals noch etwas anders aus. Hier sprießen neue Anbieter massenweise aus dem Boden. Start-ups wie Easyfolio, Scalable Capital, Vaamo, Fintego oder Whitebox wollen den Anlegern Renditen bei geringerem Risiko beziehungsweise bessere Renditen bei gleichem Risiko anbieten. Das Ganze funktioniert natürlich ausschließlich online und soll so einfach sein, dass wirklich jeder dazu in der Lage sein soll, sein Geld vernünftig anzulegen.

Sogenannte Robo Advisor machen es den Banken dementsprechend schwer. Zumindest ist das der Plan. Die Start-ups bieten nämlich nicht nur auf einen schnellen, einfachen Service, sondern punkten auch bei den Kosten. Nutzer müssen nämlich bloß einen kleinen Fragebogen ausfüllen – wo es unter anderem um die eigene Risikobereitschaft geht –, dann bekommen sie das dazu passende Portfolio angeboten und schon gehts los. Es setzt sich also niemand mit den Kunden hin, was Kosten spart. Schnell bedeutet günstig.

Preiswert wird es aber auch deshalb, weil quasi alle Robo Advisors auf die kostengünstigen Indexfonds ETFs setzen. Sie sind zwar im “Unterhalt” teurer als eine Aktie, die nur einmalige Kosten verursacht. ETFs sorgen aber durch die Diversifikation für ein deutlich geringeres Risiko und kosten nicht nur weniger, sondern auch der Aufwand ist geringer.

Eine persönliche Beratung sucht man bei den Start-ups aber in der Regel vergeblich. Ganz anders bei den Banken: Sie werben genau damit im Kampf gegen die FinTechs. Kein Wunder: Sie haben ein Filialnetz und somit den richtigen Ansprechpartner vor Ort. So seltsam es klingt, aber die Traditionsbanken können den FinTechs gewissermaßen dankbar dafür sein, weil die Start-ups ihre Schwächen aufzeigen.

Das ist schmerzhaft, keine Frage. Aber wenn die Banken dadurch tatsächlich digitale Lösungen hervorbringen – die Abläufe dadurch schneller, einfacher und bestenfalls kostengünstiger werden – und sie diese mit der persönlichen Beratung kombinieren, könnten sie der Start-up-Konkurrenz tatsächlich einen Schritt voraus sein.