Die Situation für Gründerinnen ist schlecht: In einer neuen Studie liegt die Bundesrepublik weit abgeschlagen hinter den USA, Kanada, Australien und Schweden.

Die Start-up-Szene wird in Deutschland nach wie vor von Männern dominiert. Der Zugang zu Ressourcen und Führungspositionen zwischen Männern und Frauen ist noch immer nicht ausgeglichen, wie eine Studie des Computerkonzern Dell zeigt, die am Dienstag vorgestellt wurde. Bei den Chancen für Gründerinnen liegt Deutschland lediglich auf Platz sieben, mit 61 von 100 möglichen Punkten. Die Bundesregierung hat das Problem erkannt und verspricht zumindest „Besserung“.

Gerade mal ein Drittel der Gründer in Deutschland ist weiblich – es gibt also doppelt so viele Männer, die sich selbstständig machen. Nichtsdestotrotz ist ein Anstieg zu verzeichnen, wenn auch auf niedrigem Niveau. Überraschend ist lediglich, dass das Alter der Gründerinnen immer weiter sinkt, wie Iris Kronenbitter, Leiterin der bundesweiten Gründerinnenagentur (BGA), die Informationen und Dienstleistungen zur „unternehmerischen Selbstständigkeit von Frauen“ bietet, im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer berichtete. „Während noch vor zehn Jahren viele Frauen erst mit Mitte oder gar Ende 40 gegründet haben, wagen heute mehr Frauen diesen Schritt gleich nach Studium oder Ausbildung“, sagte sie damals.

Die Studie zeigt aber auch, dass nur jedes zehnte Unternehmen mit einer „Wachstumsperspektive“ von einer Frau geführt wird. Dieser Missstand ist auch der Politik aufgefallen: Als Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel im Oktober vor 180 Unternehmerinnen in Berlin sprach, erzählte er auch von seinen Erfahrungen: „Meine Güte, da waren fast nur Kerle“. Damit künftig mehr Frauen gründen, hat das Wirtschaftsministerium die Initiative „Frauen unternehmen“ ins Leben gerufen – ein Netzwerk mit 180 Frauen, die um Gründerinnen werben. „Es geht darum, Rollenvorbilder zu bieten“, erläutert Gabriel damals. Die strukturelle Ungerechtigkeit sorge dafür, dass Frauen trotz kürzerer und besser abgeschlossener Ausbildungszeit immer noch vergleichsweise selten in Führungspositionen landen.