Gründertagebuch Teil 3: Warum Neumacher-Siegerin Anna Rojahn feiern wichtig ist. Und sie einem Drogenfahnder zuhört.

Objekte, die sie fotografiert, zeigen sich nicht nur von ihrer besten Seite. Was auf Anna Rojahns Drehteller landet, lichtet ihr Start-up Fast Forward Imaging im 360-Grad-Modus ab – eine interessante Möglichkeit vor allem für Online-Shops, ihr Angebot digital ins rechte Licht zu rücken.

Mit Technologie und Geschäftsmodell konnte Rojahn nicht nur Kunden und Investoren überzeugen, sondern auch die Juroren von Neumacher, dem WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb, den sie im Herbst 2014 gewann. Seitdem berichtet Rojahn an dieser Stelle, wie sich ihr Start-up entwickelt.

20. Januar 2015

Fashion Week in Berlin – in dieser Zeit dreht sich auch bei uns alles um Mode. Schließlich verkaufen viele unserer Kunden Kleidung und Accessoires im Netz. Ich hetze von einer Veranstaltung zur nächsten, führe Gespräche und sammle Visitenkarten potenzieller Neukunden und Kooperationspartner.

23. Januar

Am Abend weihen wir unser neues Büro ein – beste Gelegenheit, unseren Freunden und Familien zu zeigen, woran wir arbeiten, und gemeinsam zu feiern. “Celebrate milestones!”, empfahl mir schließlich schon vor vielen Jahren ein Mentor aus Stockholm. Denn man sollte nie vergessen, sich daran zu freuen, was man erreicht hat. Das machen wir dann mal.

4. Februar

Heute im Studio: das kostbarste Objekt, das uns bisher vor die Linse gekommen ist, ein 300 Jahre altes Cello im Wert von weit mehr als 100 000 Euro. Der Auftraggeber, ein Musiker, findet es einfach cool, schöne Fotos von seinem Instrument zu haben. Und er ist von unserer Technologie begeistert. Für uns ein wunderbarer Auftrag – aber unseren Versicherungsschutz checke ich trotzdem noch mal ganz genau.

6. Februar

Als Sieger des Neumacher-Gründerwettbewerbs werden wir auch von der Entrepreneurs’ Organization betreut, einem Netzwerk für junge Unternehmer wie mich. Heute war ich beim Learning Day in Hamburg, es ging um Marketing und Sales. Morgen spricht Matthias Schranner, der viele Jahre als Polizist und Drogenfahnder gearbeitet hat, über die beste Verhandlungstaktik in scheinbar ausweglosen Situationen. Außerdem wird Jens Weidner einen Vortrag halten – der Professor für Erziehungswissenschaften und Kriminologie an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften wird über Aggressionsverhalten sprechen. Zwischendurch schiebe ich ein Treffen mit meinem Hauptinvestor ein, wenn ich schon mal in der Stadt bin!

17. Februar

Seit gestern arbeitet unsere erste Vollzeit-Vertriebsmitarbeiterin für uns, sie soll mich im Tagesgeschäft entlasten. Ich freue mich unglaublich darüber, weil ich nun wieder mehr Zeit dafür habe, unsere Produkte zu verbessern, und mich beim Verkauf auf die Kunden konzentrieren kann, mit denen wir genau daran arbeiten.

19. Februar

Wir denken darüber nach, den Betrieb unseres Fotostudios an unsere Partneragenturen auszulagern, damit wir uns voll auf die Weiterentwicklung und den Vertrieb unserer Technologie konzentrieren können. Eine Entscheidung, mit der wir noch ringen, schließlich hat das Studio im vergangenen Jahr fast die Hälfte unseres Umsatzes erwirtschaftet.

23. Februar

Unser Chefentwickler Felix macht große Fortschritte beim Bau des ersten Prototyps für unser neuestes Gerät, das wir auf den Namen Minime getauft haben: Von den Funktionen her handelt es sich um eine abgespeckte Variante unseres mobilen Fotostudios, für das wir im vergangenen Herbst den Neumacher-Preis gewonnen haben. Ab dem zweiten Quartal wollen wir es verkaufen – ich bin schon sehr gespannt, wie die ersten Tests laufen werden.

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