Das Bruchsaler Start-up stellt ein Konzept für den Betrieb von Flugtaxis vor – und verspricht, dass die Transportlösung nicht nur etwas für Gutverdiener wird.

Mit ihrer Äußerung, künftig könnten im deutschen Luftraum Flugtaxis unterwegs sein, hat sich die neue Digital-Staatsministerin Dorothee Bär viel Spott bei Twitter-Nutzern eingehandelt. Tatsächlich arbeiten aber zahlreiche Start-ups und Konzerne an genau solchen Transportlösungen, auch in Deutschland. Lilium aus München etwa hat erfolgreiche Testflüge für seinen senkrecht startendenden Elektro-Jet bereits absolviert und im Herbst 90 Millionen US-Dollar von Investoren bekommen.

Der in Bruchsal bei Karlsruhe ansässige Konkurrent Volocopter wiederum ist mit elektrisch angetriebenen Multicoptern unterwegs – unter anderem in Dubai. An einer 25 Millionen Euro schweren Finanzierungsrunde im August war neben anderen Daimler beteiligt. Auch Konzerne wie Airbus und Toyota und Google-Gründer Larry Page sind an dem Thema dran.

Die Visionen und Versprechen der Start-ups werfen viele Fragen auf. Wo sollen die Lufttaxis einmal landen? Wird sich das Angebot an wenige Superreiche richten oder auch Otto Normalverbraucher zur Verfügung stehen? Wie und wann werden die Akkus geladen?

Positionierung als Mobilitätsdienstleister

Aus der Deckung wagt sich nun Volocopter: Das Unternehmen  hat heute ein Konzept für die künftig mögliche Infrastruktur in Städten vorgestellt. „Unsere Ambitionen beschränken sich nicht darauf, nur das Fluggerät zu entwickeln“, sagt Florian Reuter, Geschäftsführer des Start-ups. „Wir arbeiten am ganzen Ökosystem, denn wir wollen urbane Lufttaxidienste auf der ganzen Welt etablieren.” Bereits in der Vergangenheit hatte das Unternehmen betont, sich nicht nur als Hersteller von Flugobjekten zu begreifen.

Geht es nach dem Unternehmen werden in Großstädten künftig auf Dächern zentraler Hochhäuser sogenannte Hubs eingerichtet. Lufttaxis würden auf einer Art Balkon landen und dann auf Förderbändern ins Innere transportiert. Dort könnten Passagieren ohne Hast ein- und austeigen und Akkus gewechselt werden.

Auf festen Routen etwa von der Innenstadt zu einem Flughafen können nach Einschätzung des Start-ups so bis zu 10.000 Passagiere pro Tag abgefertigt werden. Als Ergänzung zu den zentralen Hubs will Volocpter Landeplätze etwa an Straßenbahnhaltestellen oder auf den Dächern von Geschäftshäusern einrichten. „Wenn das System voll in Betrieb ist, wird ein Flug zum Treffen nicht viel teurer sein als eine Taxifahrt – sehr wohl aber schneller“, verspricht Mitgründer Alex Zosel.

Hinter dem Konzept des Unternehmens steckt natürlich eine kräftige Portion Marketing. Der Beitrag zeigt aber auch: Jenseits hitziger Twitter-Debatten ist eine sachliche Debatte darüber nötig, ob und wie Lufttaxis künftig ein sinnvoller Bestandteil im Mobilitätsmix sein können – und welche Regularien dafür nötig sind. Aus technischer Sicht könnten Lufttaxis-Systeme laut Zosel jedefalls bereits in zehn Jahren Realität werden.