Die Post macht Furore mit ihrem Elektro-Transporter – und verärgert damit den Konkurrenten Volkswagen. Er hätte nämlich gerne mitgemacht.

Volkswagen hat verärgert auf die Pläne der Deutschen Post reagiert, auf eigene Rechnung einen Elektro-Transporter zu bauen. „Mich ärgert das maßlos“, sagte Konzernchef Matthias Müller am Montagabend im Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten. Er frage sich, warum die Post so etwas nicht mit VW auf die Beine stelle. Er habe deshalb den Chef der eigenen Nutzfahrzeugsparte, Eckhard Scholz, gebeten, Kontakt zu Post-Vorstand Jürgen Gerdes aufzunehmen. „Wir werden sehen, ob wir da noch einen Fuß in die Tür kriegen.“

Der elektrogetriebene Transporter der Deutschen Post, kurz Streetscooter genannt, gehört zu den Lieblingsprojekten von Jürgen Gerdes. Der umtriebige Manager aus dem Unternehmensvorstand der Post, verantwortlich für Briefe, eCommerce und Pakete, hat Großes vor. Der gesamte Fuhrpark des gelben Riesen um Paket- und Briefzustellung soll mittelfristig auf E-Transporter umgestellt werden. Bis zu 70.000 Fahrzeuge könnten das einmal werden. „Wir sind Betreiber einer der größten Fahrzeugflotten in Deutschland“, erklärt Gerdes. Und die müssten mehr und mehr emissionsfrei werden. Bis Ende 2016 sollen etwa 2000 StreetScooter auf die Straße gebracht werden. Entwickelt wurde das batteriegetriebene Fahrzeug gemeinsam mit einem Start-up-Unternehmen aus dem Umfeld der Universität RWTH Aachen.

Ende 2014 übernahm die Post die kleine Firma. Zuvor waren Anfragen bei den Autokonzernen Daimler und VW ins Leere gelaufen. Die Post habe bei den Konzernen wegen eines elektro-betriebenen Autos angeklopft, sagte ein Post-Sprecher am Dienstag. „Doch es war kein Fahrzeug zu bekommen, das unseren Ansprüchen gerecht wurde.“ Oder der Preis sei zu hoch gewesen.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks lobt die E-Autos der Post: „Gerade der Wirtschaftsverkehr findet in den Städten statt und wird sich in Zukunft noch ausweiten“, sagt die SPD-Politikerin. „Und gerade brauchen wir die Entlastung unter dem Gesichtspunkt von Umwelt und Gesundheit.“ In der Paketzustellung ist aber auch die Konkurrenz mit E-Fahrzeugen am Ball – ob UPS, Hermes oder DPD. Doch keiner tüftelt so intensiv wie die Post an Eigenentwicklungen.