Nach einer Finanzierungsrunde sieht sich das Start-up in einer guten Startposition, wenn Elektrokleinstfahrzeuge in Deutschland erlaubt werden.

Sie sind klein, wendig – und aktuell die liebsten Fahrzeuge von Investoren: Elektrische Tretroller schicken sich an, europäische Metropolen im Eiltempo zu erobern. Erst vor einem Monat hat das Berliner Start-up Tier Mobility für sein E-Scooter-Verleihsystem quasi aus dem Stand heraus 27 Millionen Euro eingesammelt. Nun meldet ein in Schweden ansässiger Wettbewerber eine noch höhere Finanzierungsrunde: Knapp 44 Millionen Euro hat Voi Technology erhalten. Gegründet worden war das Start-up erst im Sommer.

Die Unternehmen positionieren sich als europäische Anbieter, die den wachsenden Markt nicht US-Firmen überlassen wollen. Tatsächlich haben mit Lime und Bird zwei überaus finanzstarke Start-ups aus Amerika bereits den Sprung über den Atlantik gewagt. Beide gelten als „Einhörner“ – haben also eine Bewertung von jeweils über eine Milliarde Dollar erreicht. Bird ist bereits in sieben europäischen Metropolen vertreten, darunter Paris und Wien. Bei Lime sind es fünf Städte in Europa.

Rahmenbedingungen noch unklar

In Deutschland ist noch keiner der Anbieter aktiv. Der Grund: Noch sind hierzulande die gesetzlichen Rahmenbedingungen ungeklärt. Sogenannte Elektrokleinstfahrzeuge dürfen deswegen nicht am Straßenverkehr teilnehmen. Ein Referentenentwurf des Bundesverkehrsministeriums sieht vor, dass für die elektrischen Tretroller künftig eine Art Nummernschild und eine Versicherungsplakette notwendig ist. Nutzer müssten mindestens einen Mofa-Führerschein haben und dürften nur auf Radwegen oder – wenn keiner vorhanden ist – auf der Straße fahren.

Das Regelwerk wäre damit wesentlich strenger als in anderen europäischen Ländern. Selbst der Tüv-Verband mahnte kürzlich, bei der Regulierung nicht über Ziel hinauszuschießen. Ob es noch entscheidende Änderungen bei der finalen Verordnung geben wird, ist unklar. Branchenvertreter rechnen damit, dass das neue Regelwerk erst im Frühjahr des kommenden Jahres in Kraft treten wird.

Skeptische Kommunen

Ungeachtet der Unsicherheit will auch Voi explizit auch nach Deutschland expandieren. Außer in Stockholm ist das Start-up bisher in drei spanischen Städten vertreten. Weitere Zielländer sind die Benelux-Länder, Frankreich, Italien, Norwegen und Portugal. Das Geld für die Expansion kommt unter anderem vom Londoner Frühphaseninvestor Balderton.

Wie auch die Wettbewerber betont das schwedische Start-up, dass es eng mit Behörden zusammenarbeiten will. Viele Kommunen stehen den E-Scootern zwiegespalten gegenüber: Einerseits sind die Städte gerade vor dem Hintergrund drohender Diesel-Fahrverbote dankbar für neue Elektromobilitätsangebote. Andererseits fürchten sie, dass die Scooter ähnlich wie Leihfahrräder Gehwege blockieren. Die Anbieter haben sich in vielen Städten verpflichtet, die Tretroller jede Nacht einzusammeln.