Die Software des Stuttgarter Start-ups erlaubt es Anrufern von Hotlines, sich ihren Platz in der Warteschleife zu sichern – ohne die ganze Zeit am Hörer zu bleiben.

Nervtötende Musik, lange Wartezeiten: Anrufe in Callcentern sind oft alles andere als erquicklich – und für Kunden oft ein Grund, ihren Ärger in sozialen Netzwerken freien Lauf zu lassen. Unternehmen vor Beschwerden dieser Art bewahren will VirtualQ. Das Stuttgarter Start-up hat eine Technologie entwickelt, mit der Anrufer in der Warteschleife von Hotline bleiben, ohne die ganze Zeit das Ohr am Hörer haben zu müssen. Stattdessen können sie sich etwa per SMS darüber informieren lassen, wann sie dran sind – und werden beim zweiten Anruf dann sofort zu einem Mitarbeiter durchgestellt.

Versicherer wie die Hansemerkur und die Gothaer sowie die Österreichischen Bundesbahnen und der Versorger Wien Energie gehören laut VirtualQ bereits zu den Kunden. Auch Investoren glauben an die Idee: Das Start-up hat gerade Wagniskapital in knapp mittlerer siebenstelliger Höhe eingesammelt, wie WirtschaftswocheGründer exklusiv vorab erfuhr. Teil der Finanzierungsrunde waren demnach die VC-Firmen Coparion und Constantia New Business, die private Beteiligungsgesellschaft Don Ventures sowie mehrere Business Angels. Bereits seit 2015 am Unternehmen beteiligt ist der High-Tech Gründerfonds (HTGF).

Mit seinem System zur Prognose der Wartezeiten und Optimierung der Anrufe dockt das Start-up über Schnittstellen an Callcenter-Software an oder schaltet sich vor diese. Auch eine Einbettung in Apps, Sprachassistenten oder auf Internetseiten ist möglich. Unternehmen zahlen für die Nutzung Lizenzgebühren.

35 offene Stellen

Bis zur Finanzierungsrunde sei man bereits profitabel gewesen, sagte Mitgründer Jens Kühnapfel, der VirtualQ zusammen mit seinem Bruder Ulf Kühnapfel und Niels Liebisch gegründet hat. Doch das Unternehmen will nun schneller wachsen – mit Hilfe der Kapitalspritze soll die Produktentwicklung beschleunigt und der Vertrieb ausgebaut werden. Derzeit beschäftigt das Start-up 13 Mitarbeiter. Offen sind laut Kühnapfel 35 Stellen an den Standorten Stuttgart und Berlin.

Ausweiten will VirtualQ auch Automatisierungs-Funktionen. Bereits jetzt beinhaltet die Software eine Spracherkennung. Bestimmte Standardanliegen wie eine Adressänderung können Kunden so bereits dem Computer diktieren. „Mit der Kombination aus Optimierung und Automatisierung können Unternehmen nicht nur die Kundenzufriedenheit deutlich verbessern, sondern auch Kosten sparen“, so Jens Kühnapfel.

Auf den vielsprechenden Call-Center-Markt konzentrieren sich die Gründer seit Anfang 2015. Ihre erste Idee war eine andere: Ursprünglich war VirtualQ eine App für das Nachtleben. Clubbesucher sollten sich damit virtuell in der Schlange anstellen können – bei den Betreibern stieß das Vorhaben aber auf wenig Gegenliebe.