Banken und Fintech-Start-ups hatten massiv gegen neue Vorgaben der Finanzaufsicht bei der Eröffnung von Konten im Internet protestiert. Nun werden die Regeln zur Videoidentifizierung ausgesetzt.  

Banken und Fintech-Start-ups können zunächst aufatmen. Die Finanzaufsicht Bafin hat umstrittene neue Regeln zum Onlinebanking bis Jahresende ausgesetzt. Die Regeln bezogen sich auf das Videoidentifizierungsverfahren, einer Alternative zum klassischen Postident, das monatlich bereits von mehr als 100 000 Deutschen genutzt wird. Vor allem bei Fintechs wird die Ausweiskontrolle per Webcam rege genutzt, so greifen bei Number26 80 Prozent der Neukunden auf das Verfahren zu.

Doch durch die jüngsten Verschärfungen konnten beispielsweise junge Menschen, die ihr erstes Konto eröffnen, das nicht mehr per Videoident tun. Erste Banken hatten das Verfahren bereits ausgesetzt.

„Die Übergangsfrist soll den betroffenen Marktteilnehmern Zeit geben, sich auf die höheren Sicherheitsstandards einzustellen“, heißt es in der Mitteilung der Bafin. Zudem dürfte bis dahin noch geklärt werden, wie die strengeren Regeln tatsächlich angewendet und umgesetzt werden sollen.

Banken sollten Kundendaten bei Facebook prüfen

Denn in den neuen Vorgaben heißt es beispielsweise, dass Banken Kundendaten im Internet und sozialen Netzwerken überprüfen sollen. „Es ist völlig schleierhaft, wie das funktionieren soll“, sagt Oliver Vins, Gründer des Frankfurter Fintech-Start-ups Vaamo. Auch verschiedene Banken und die fünf Bankenverbände hatten eine Konkretisierung gefordert und infrage gestellt, ob die deutschen Datenschutzregeln solch eine Recherche überhaupt zulassen.

Auch die Zahl der Unternehmen, die das Videoident-Verfahren anbieten dürfen, sollte auf Geldhäuser eingeschränkt werden. „Durch die Aussetzung des BaFin-Rundschreibens können auch Nicht-Kreditinstitute unser sehr sicheres Video-Identifizierungsverfahren weiterhin einsetzen“, sagt Frank S. Jorga, Gründer und Geschäftsführer der WebID Solutions und Pionier des Verfahrens in Deutschland.

Änderungen an den Vorgaben sind nun noch möglich. Bei der Bafin heißt es weiter, man wolle dem Gesetzgeber eine „zukunftsgerichtete Antwort“ zu digitalen Verfahren der Kundenidentifizierung vorschlagen.