Deutsche Start-ups kämpfen noch oft um Wachstumfinanzierungen. Aktuelle Zahlen von KPMG zeigen: 2017 stieg die durchschnittliche Ticketgröße hierzulande.

Mehr Geld, weniger Empfänger: Nach einer aktuellen Auswertung der Beratungsgesellschaft wuchs das im vergangenen Jahr investierte Risikokapital von Firmen in das deutsche Start-up-Ökosystem um nahezu ein Drittel auf mehr als 2,1 Milliarden Euro. Gleichzeitig sank jedoch die Zahl der abgeschlossenen Finanzierungen von 436 auf 356. „Während immer mehr Geld ins globale Venture-Capital-Ökosystem fließt, konzentrieren sich die Investoren verstärkt auf weniger, aber dafür größere Deals“, sagt KPMG-Partner Stefan Kimmel.

Das Volumen für ganz frühe Finanzierungsrunden gehe dagegen seit drei Jahren stetig zurück, so Kimmel. Zum einen könnten Investoren damit ihr Risiko reduzieren – weil die Start-ups bereits die grundsätzliche Funktionsweise ihres Geschäftsmodells bewiesen hätten, schreiben die Berater. Zum anderen könnten die Geldgeber damit die hohen Transaktionskosten pro Deal verringern.

KPMG bezieht sich bei seinen Zahlen (hier geht es zum ausführlichen PDF) auf den Datenlieferanten Pitchbook. Je nach Betrachtung können sich die Zahlen der Investmentstatistiken jedoch erheblich unterscheiden: Nicht alle Deals werden öffentlich, manche Start-ups und Investoren kommunizieren nur Größenordnungen statt konkreter Summen und manche Deals werden erst veröffentlicht, wenn die Tinte unter den Verträgen schon lange getrocknet ist. Die Beratung EY hatte etwa in der vergangenen Woche für 2017 ein deutsches Start-up-Rekordjahr mit 4,3 Milliarden investierten Euro vermeldet.

Drei Boombranchen in Deutschland und Europa

Insbesondere in drei Bereichen erwarten die Berater in Deutschland 2018 besonders viele Beteiligungen: Die Biotech-Branche könnte trotz schwieriger Rahmenbedingungen ihr 2017 sichtbar gewordenes Wachstum fortsetzen. Zudem sei in der Fintech-Branche weiter viel Bewegung zu erwarten – auch kleinere Banken würden zunehmend die Zusammenarbeit mit Start-ups suchen, desweiteren sorgt die frisch in Kraft getretene Zahlungsrichtlinie PSDII für leichteren Marktzutritt.

Als drittes Feld sei „Autotech“ relevant: „Giganten wie Audi, Porsche und Volkswagen haben zunehmend in Start-ups investiert, um an der Spitze zu bleiben, während sich ihre Industrie wandelt“, schreiben die Autoren. In den vergangenen Tagen hatte ein umfangreiches weiteres Investment für Auto1 weltweit für Aufsehen gesorgt: Der japanische Techkonzern Softbank hatte 460 Millionen Euro in das Berliner Unternehmen gesteckt.