Deutsche Wissenschaftler haben untersucht, wie sehr eine höhere Kapitalertragssteuer Risikokapitalgeber ausbremst. Das Ergebnis: Die Zahl der Finanzierungen sinkt – der Erfolg jedoch steigt.

Mehr Geld für Gründer, die schnell wachsen müssen – das bleibt eine der Hauptforderungen der deutschen Gründerszene. Zum einen haben sich einige Bundesländer aufgemacht, die Fördertöpfe zu erhöhen. Zum anderen jedoch dringen viele Start-ups und Investoren auf steuerliche Vorteile, um die risikoreichen Finanzierungen in junge und schnellwachsende Unternehmen attraktiver zu machen. Welchen Effekt die Höhe des Kapitalertragssteuersatzes auf die Investitionsbereitschaft hat, haben deutsche Forscher jetzt in ein einer weltweiten Studie untersucht (hier geht es zur vollständigen Studie).

Wissenschaftler der Technischen Universität (TU) Darmstadt und der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München haben dafür 61.000 Finanzierungsentscheidungen in 34.000 Start-ups aus 32 Ländern untersucht – und bei jeder Entscheidung die geltenden Kapitalertragssteuer berücksichtigt.

Besseres Casting bei höheren Steuern

Die Erkenntnis ist erst einmal wenig überraschend: Je höher die Steuer, desto weniger Start-ups werden von Venture-Capital-Gebern unterstützt. Die Zahl der erfolgreichen Start-ups gehe so massiv zurück, konstatieren die Forscher: „Der Effekt ist substantiell. Durchschnittlich betrachtet erhalten in Deutschland jährlich etwa 17,4 Start-ups pro zehn Millionen Einwohnern ihre erste Finanzierungsrunde durch Venture Capital“, sagt Martin Watzinger, der am Seminar für komparative Wirtschaftsforschung an der LMU München arbeitet. Eine Steuererhöhung um einen Prozentpunkt führte laut den Daten dazu, dass ungefähr 1,4 weniger Start-ups pro zehn Millionen erstmalig einen Finanzierung erhalten.

Doch ein Blick auf die Entwicklung der untersuchten Start-ups führte die Wissenschaftler zu einer überraschenden Erkenntnis: Mit steigenden Steuersätzen erhöhte sich der prozentuale Anteil von Start-ups, die nachhaltig Erfolg hatten. Wo das Investment kostspieliger wurde, wuchs die Bedeutung des genauen Castings vor einer Finanzierung: „Interessant daran ist, dass Venture-Capital-Geber die Erfolgs-DNA von Start-ups wohl tatsächlich beurteilen können und durch Steuern knapper werdende Mittel effizient investieren“, sagt Carolin Bock vom Fachbereich Gründungsmanagement in den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an der TU Darmstadt. Auf ein Plädoyer für höhere Steuern wollen sich die Wissenschaftler jedoch keineswegs festlegen lassen – schließlich sinke die absolute Anzahl an erfolgreichen Start-ups dadurch deutlich.