Das junge Unternehmen will emissionsfreie Mobilität in Großstädten voranbringen – und setzt dabei auf ein ungewöhnliches Geschäftsmodell.

500 Fahrzeuge auf einen Schlag: Mit einer Großbestellung von Elektro-Transportern hat das erst vor wenigen Monaten gegründete Mobilitäts-Start-up Uze Mobility (gesprochen „Use Mobility“) kürzlich überrascht. Hinter dem Einkauf bei der Post-Tochter Streetscooter stecken ambitionierte Pläne. Das Start-up will emissionsfreie Mobilität für die Nutzer kostenlos machen – und baut dazu in einem ersten Schritt eine große Carsharing-Flotte auf.

„Gerade testen wir unser System in Köln. Wir wollen dort Anfang des Jahres mit 25 Fahrzeugen an den Start gehen“, sagt Uze-CEO Alexander Jablovski im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Ab Februar sollen dann monatlich 50 Fahrzeuge monatlich hinzukommen – außer in Köln auch in Aachen, Bochum und Bremen. „Ich rechne damit, dass wir im Juni schon nachbestellen.“ Das Ziel: Bis 2021 sollen 4.500 Fahrzeuge in ganz Deutschland verfügbar sein, jeweils 200 bis 250 pro Stadt.

Werbung auf E-Ink-Displays

Dass Fahrten für Nutzer des neuen Carsharing-Systems kostenlos sein sollen, klingt wie eine Fantasterei. Doch das Start-up setzt auf neue Einnahmequellen, die mehr Geld als übliche Vermietgebühren einbringen sollen: Zum einen will Uze auf an den Transportern angebrachten E-Ink-Displays Werbung ausspielen. Zum anderen sollen die Fahrzeuge nebenbei verschiedene Daten sammeln, die an Unternehmen und Kommunen verkauft werden sollen. „Die Fahrzeuge sind für unser Geschäftsmodell nur ein Werkzeug“, sagt Jablovski.

Um die Pläne zu realisieren, sucht Uze Mobility den Schulterschluss mit Baumärkten, Möbelhäusern und anderen Händlern. Die Transporter sollen auf deren Parkplätzen stationiert werden, so dass Kunden sperrige Einkäufe nach Hause fahren können. Auch wenn die Fahrzeugbuchung über die Uze-App abläuft, profitieren die Partnerunternehmen von dem zusätzlichen Service. Im Gegenzug sollen die Händler bei dem Start-up eine bestimmte Menge an Anzeigen buchen, die auf den Displays an den Fahrzeugen ausgespielt werden.

Präzise Emissionsdaten

Ab dem kommenden Jahr können dann auch andere Unternehmen Werbekampagnen buchen. Der Clou: Diese können orts- und wetterabhängig ausgespielt werden. Ein Eisproduzent wie Langnese könnte etwa vorgeben, dass Werbung nur bei Sonnenschein erscheint – und jeweils auf den nächstgelegenen Laden hinweisen, der das Eis verkauft. Über eine App sollen in einfachen Schritten aber auch kleine Betriebe wie Metzgereien oder Bäckereien Anzeigen schalten können.

Im kommenden Jahr will das Aachener Start-up, das gerade seinen Hauptsitz nach Bremen verlegt, dann damit beginnen, gezielt Daten zu sammeln. Dazu entwickelt Uze zusammen mit anderen Start-ups und Forschern Sensoren, die künftig beispielsweise Emissionsdaten im Stadtgebiet sammeln oder den Zustand der Asphaltdecke überwachen. „Das sind Daten, die für Kommunen sehr interessant sind“, sagt Jablovski.

Kooperationen mit Universitäten

Eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Hardwareerweiterungen spielen Universtäten. So wird ein kompaktes Messgerät für Emissionen zusammen mit Forschern des MIT entwickelt. Enge Verbindungen gibt es auch zur staatlichen Universität in Schanghai sowie zur RWTH Aachen, aus deren Kreis viele der aktuell 40 Mitarbeiter kommen. An der Technikhochschule ist 2010 auch Streetscooter gegründet worden.

Alleine auf Fahrzeuge von Streetscooter will Uze Mobility auf Dauer indes nicht setzen. In den potenziell ersten Auslandsmärkten China und USA sollen andere Autobauer zum Zuge kommen. Hinzu kommt: „Wir wollen auch Elektroroller, E-Bikes und Pkws einbeziehen“, sagt der Gründer. In Bremen laufen auch Gespräche mit dem dortigen ÖPNV-Unternehmen BSAG, um Straßenbahnen und Busse mit den E-Ink-Displays auszurüsten: Die Werbeeinnahmen dort sollen helfen, Ticketpreise zumindest stabil zu halten.