Das Schweizer Start-up will Büros und Wohnungen einrichten und gestalten. Beim Wachstum helfen soll die Technologie der insolvent gegangenen Berliner.

Das Schweizer Einrichtungs-Start-up Upscale Interiors hat Teile der Technologie-Plattform und die Social-Media-Kanäle des insolventen Berliner Start-ups 99Chairs übernommen. Auch sieben Mitarbeiter von 99Chairs, darunter das ehemalige Technik-Team, stehe nun auf der Gehaltsliste von Upscale: „Wir haben uns das Know-how und die über 4 Jahre entwickelte Technologie gesichert“, sagt Tom Kümmeke, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Carina das in Zürich ansässige Start-up leitet.

Wie viel Geld für diesen sogenannten Asset-Deal floss, will Upscale nicht verraten. Neben eigenen Mitteln hat sich jedoch auch der Privatinvestor und Unternehmer Oliver Holy, Gründer des Möbelherstellers Classicon und Sohn des ehemaligen Hugo-Boss-Miteigentümers Jochen Holy, an der Transaktion beteiligt.

99Chairs hatte im April eine Insolvenz angekündigt, weil eine Finanzierungsrunde kurz vor dem Abschluss geplatzt war. Das Start-up wollte das Geschäft zunächst in einer Eigenverwaltung herumreißen, musste dann aber im Sommer endgültig den Betrieb einstellen. In der Zeit sei auch über einen möglichen Share Deal mit Betriebsübergang an die Schweizer gesprochen worden, berichtet Kümmeke: „Davon haben wir aber doch Abstand genommen, weil uns das finanzielle Risiko zu groß erschien.“

Mit der Übernahme von Personal und Technologie will Upscale jetzt auch den deutschen Markt erobern. Gestartet waren Kümmeke und Ehefrau Carina mit klassischen Einrichtungsberatungen für Immobilienentwickler und wohlhabende Privatleute. Von Anfang an war die Projektverwaltung jedoch überwiegend digital aufgelegt. „Mich hat es gestört, dass die Prozesse in der Inneneinrichtung so umständlich und komplex waren“, sagt Carina Kümmeke, die sich als ausgebildete Architektin um das Kerngeschäft kümmert. Die digitale Komponente soll jetzt noch einmal ausgebaut werden: Zentraler Bestandteil von 99Chairs ist eine Produktdatenbank, über die zahlreiche Möbelhersteller bereits angedockt waren.

Keine Kampfpreise für die Design-Beratung

Das Ziel ist es, die Einrichtungsberatung so digital wie möglich abzubilden. Dazu sollen Kunden mit wenigen Fragen ihre Design-Vorlieben spezifizieren. Aus einem hochgeladenen Grundriss erstellen die Designer, die für Upscale arbeiten, dann eine 3D-Darstellung vom möglichen Aufbau und konkreten Möbelstücken.

Upscale schielt in Deutschland auf Start-ups, Inkubatoren oder auch etablierte Unternehmen, die auf diese Dienstleistungen neugierig sein könnten. In Zukunft könnten auch Projekte mit Privatpersonen in Deutschland aufgebaut werden, welche in der Schweiz bereits umgesetzt wurden. „Wir werden dies auch zeitnah in Deutschland ausbauen, derzeit fokussieren wir noch auf Büro-Kunden“, so Kümmeke.

Klar ist jedoch auch, dass viele normale Vebraucher damit aus der Zielgruppe von Upscale fallen. 99Chairs hatte sich durchaus auch in dem Segment Hoffnungen gemacht und entsprechend die Preise gesetzt: „Kampfpreise wird es bei uns nicht geben, sondern wir möchten wir mit Kunden arbeiten, die unsere Beratung wertschätzen“, gibt Tom Kümmeke als Parole aus.

So will sich Upscale auch trotz eines sehr ähnlichen Geschäftsmodells von 99Chairs unterscheiden. Trotz digitaler Beratung soll darum auch in wichtigen Städten ein Netzwerk an Designern entstehen, die bei der Anlieferung von Möbeln dabei sind. „Für uns stehen die hochwertige Einrichtung und die Beratung im Fokus – wir verstehen uns nicht nur als reine Tech-Firma“, sagt Tom Kümmeke. 99Chairs-Mitgründer Julian Riedelsheimer hatte vor knapp zwei Jahren im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer die Kompetenzen seines Start-ups woanders gesehen: Wir sehen uns klar als Tech-Company, nicht als Agentur für Interior-Design.“