Unter den Zuschauern erreichen sie hohe Marktanteile – die Mehrheit der Gründer allerdings kann sich eine Teilnahme an Sendungen wie “Die Höhle der Löwen” nicht vorstellen.

Morgen Abends startet die mittlerweile vierte Staffel der TV-Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“, sehnlichst erwartet von Millionen Fans, die dann wieder jede Woche vor dem Bildschirm mitfiebern werden: Welcher Gründer kann die Jury überzeugen, wer kann sich über ein Investment freuen?

Start-ups selbst sind da deutlich reservierter. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter 302 deutschen Start-ups. Ihr zufolge würden zwei von drei auf keinen Fall bei einer Fernsehshow wie “Die Höhle der Löwen” (Vox), „Das Ding des Jahres“ (ProSieben) oder „Start Up! Wer wird Deutschlands bester Gründer“ (SAT 1) mitmachen, nur gut jeder Vierte (28 Prozent) kann sich eine Teilnahme vorstellen.

Kritiker sehen Unterhaltung ohne Mehrwert für das Start-up

„Die Start-up-Sendungen auf verschiedenen Sendern haben das Thema Gründungen und Gründer einem Millionen-Publikum nähergebracht. Sie leisten einen wichtigen Beitrag, um Start-ups in der Breite der Bevölkerung bekannt zu machen und tragen Gründergeist in die Gesellschaft“, sagt Jenny Boldt, Start-up-Expertin beim Digitalverband Bitkom. „Ob sich umgekehrt der Aufwand, bei einer solchen Show mitzumachen, für einen Gründer lohnt, hängt sehr vom Einzelfall ab – und vor allem auch vom Produkt oder der Dienstleistung, die angeboten wird. Wer auf den Massenmarkt strebt, kommt da sicher zu einem anderen Ergebnis als ein Start-up, das eine Nische besetzt oder sich primär an ausgewählte Unternehmenskunden richtet.“

Die Start-ups, die nicht bei einer TV-Show dabei sein wollen, sagen mehrheitlich, dass es sich nur um TV-Unterhaltung handelt, die keinen Mehrwert für ihr Start-up bringt (57 Prozent). Rund jeder zweite Gründer beklagt, dass die dort angebotenen Investment-Deals unattraktive Konditionen hätten, 40 Prozent glauben nicht, dass ihnen die Beratung durch die Jury oder Mentoren fachlich hilft. 33 Prozent schätzen insgesamt den Aufwand so hoch ein, dass es sich nicht lohnt. Ebenso viele befürchten, dass die Teilnahme an einer solchen Show dem Image ihres Start-ups sogar schadet. 25 Prozent der Befragten glauben nicht, dass ein potenzieller Investor durch eine solche Show auf das Start-up aufmerksam wird. Und immerhin jeder zehnte Gründer sagt schlicht, es wäre ihm unangenehm, im Fernsehen aufzutreten.

Hoffnung auf größere Bekanntheit und neue Kunden

Die Start-ups, die sich vorstellen können, bei einer TV-Show aufzutreten, hoffen vor allem darauf, dass ihr Unternehmen so bekannter wird (98 Prozent) und sie sogar neue Kunden gewinnen können (78 Prozent). Drei von fünf (59 Prozent) sehen zudem die Chance, dass auf diesem Weg potenzielle Investoren aufmerksam werden und so eine Finanzierung zustande kommt. Jeder Dritte (33 Prozent) rechnet damit, dass ihn die Beratung der Jury oder der Mentoren weiterbringt – und rund jeder Vierte (29 Prozent) sagt, ein Fernsehauftritt würde ihm einfach Spaß machen.